abflug - ankunft
klar sind wir aufgeregt, dass es für uns nach china geht. doch noch aufregender sind die minuten im flugzeug, in denen sich entscheidet, ob moritz zu den kleinkindern gehört, denen fliegen gar nichts macht oder zu denen, die den ganzen flug lang schreien. wir sind derartig bemüht, dass moritz beim start der propeller- maschine einschläft. die erklärung: das geräusch ähnelte zumindest unserer waschmaschine. auch bei der landung in wien schläft das goldkind, beim start und auch bei der ankunft in shanghai. wir sind entzückt.
nicht ganz so entzückend unsere ankunft beim gepäck. unser frosch (der rote kinderwagen) hat nämlich ein bein verloren und ist von daher nicht ganz so einsatzfähig. die erste erfahrung, dass in china alles ein bißchen anders ist (in diesem falls deutlich besser): "your trolley is broken? you can just choose a new one!" in einer riesenabstellkammer stapeln sich etwa 350 kinderwagen, ich nehme den einzigen, der nicht schon vom anblick zusammenbricht.
draußen ist es bewölkt, trotzdem unglaublich heiß und stickig. tobis kommentar "du glaubst doch nicht, dass der himmel HIER jemals blau ist?" mit zwei vollgestopften taxis fahren wir in richtung hotel. moritz und mein fahrer hält nach kurzer fahrzeit auf freier strecke plötzlich an, steigt mitten auf der schnellstraße aus und versucht, den halben kinderwagen vom beifahrersitz in den bereits völlig überfrachteten kofferraum zu stopfen. netterweise hält das zweite taxi mit tobi drin gleich dahinter an und entledigt uns dieses problems.
wir fahren (aufgrund des zeitverlustes?) gehetzt an allen anderen fahrzeugen vorbei. zwischendrin stößt der fahrer lauthals wilde flüche gegen unbekannt aus, aber immerhin hupt er, wenn er von rechts überholt. als wir am hotel ankommen, ist das zweite taxi längst da. tobi kommt mir lächelnd entgegen, schenkt mir eine eine eingelegte pflaume und sagt: "die ist für dich von meinem fahrer. wir haben uns so nett auf chinesisch unterhalten, das war ja echt eine nette fahrt."
shanghai 22.8.04 > der zweite tag
vom essen sind wir mehr als begeistert. die preislichen differenzen zwischen der verschiedenen lokalitäten sind jedoch um ein vielfaches extremer als zwischen HU-mensa und dem kleinen kaffee im starbucks-verschnitt danach. die feine nudelsuppe auf dem bild hat ganze acht yuan gekostet (das entspricht etwa achtzig cent), und am abend haben wir für ein ganzes festmahl (schweinefleisch mit sesam auf gurkengemüse in blätterteig gerollt, fisch mit schnittlauchkruste in undefinerbarer sauce, qing cai - grünes gemüse - und eine große flasche bier) 67 yuan (entspricht entsprechend 6,70 euro) bezahlt. für das gleiche geld haben wir am nächsten tag einen (!) eisbecher bei haegen dasz genossen. die globalisierung läßt grüßen.
Shanghai 23.8.04 > wir schauen die erste Wohnung an -> 22. Stock mit Balkon, was eine Aussicht!
shanghai 24.8.04 > wir setzen die sammlung von hübschen wohnungsausblicken fort ... den ganzen tag haben wir nichts anderes gesehen
unsere ersten bekanntschaften in shanghai sind jennifer, kelly, lawrence, jason und magdalena. alle sind sehr herzlich, entgegenkommend, wollen uns ihre fahrer zur verfügung stellen, sagen uns guten morgen und fragen, wie wir geschlafen haben... wenn wir denn eine von ihren wohnungen zu mieten gedenken. tobis resümee: je mehr wir zu sehen bekommen, um so unentschiedener sind wir! mittlerweile haben wir eine faszination für den 25. stock entwickelt, wenn es schon nicht der berliner altbau sein kann, dann wenigstens so etwas wie der fernsehturm. von den inneneinrichtungen waren wir derartig beeindruckt, dass wir noch kein bild gemacht haben: ganz nach dem prinzip "mehr ist mehr" ist eigentlich jeder raum mit allerhand verschiedenen schränken vollgestopft, sessel haben hier die dimensionen von elefantenhintern, selbstverständlich ist alles von badezimmerkachel bis schminktisch verziert mit allerhand schnickes. da wir drei personen sind, könnten wir sicherlich gut drei zimmer mit doppelbetten gebrauchen - unklar bleibt dagegen, was an einem wohnzimmerfenster so wichtig ist. die meisten küchen (immerhin: es gibt küchen!) gleichen vielmehr nasszellen, denn in shanghai kocht eh kein mensch zu hause.
da frage ich mich nur, was man tut, wenn man nach drei tagen aufenthalt die erste bekanntschaft mit gewissen bakterien macht, die einem jegliches straßenessen verleiden. es erfordert reichlich viel geschick, lediglich einfachen weißen reis zu bestellen, was anscheinend einer beleidigung des restaurants gleichkommt.
moritz (sein name auf chinesisch mao-li-zi bedeutet soviel wie "kastanie") öffnet zum glück sämtliche türen, die anderen ausländern vielleicht verschlossen bleiben. er zaubert bei fast allen chinesen nicht nur ein seeliges lächeln auf die lippen, sondern ruft durch seine reine anwesenheit zuweilen gar menschenströme hervor. das einzige, was zuweilen auf unverständnis stößt ist die frage "how can you put a baby trolley inside a taxi?" zum glück stört es die wenigsten fahrer, einfach mit offenem kofferraum durch die stadt zu bräsen, oder eine plastiktüte entgegenzunehmen, die man ganz zufällig in der tasche hatte, um den kofferraum provisorisch zu verschließen.
vom zimmer mit der besten aussicht sind wir in das zimmer gezogen, welches schon albert einstein 1922 bewohnt hat (da stand auch noch nicht das haus gegenüber). wir sind müde vom ständigen wohnungen besichtigen, wahrscheinlich deshalb, weil "DIE WOHNUNG" noch nicht dabei war. wenigstens lernen wir so die innenstadt kennen. die gebotenen objekete reichen vom schmalen chinesischen mehrstöckigen reihenhaus mit minigarten (wunderschön, aber für kleinstkinder ungeeignet) bis hin zum einer art hotel adlon in der 17. etage mit rundumblick über den peoples square (siehe bild). dazwischen liegen immer wieder heruntergekommene altbaugebiete, in denen es keine kanalisation gibt. auf deren fläche ist wahrscheinlich längst schon das nächste wolkenkratzerprojekt geplant - sei es paradise city, golden magnolia ocean view oder capital land.








eben noch darüber gelästert, im nächsten augenblick angemietet. wir wohnen ab samstag in springdale gardens, appartment 24 E. bilder werden folgen.


shanghai 27.8.04 > einen tag ausspannen



shanghai 28.8.04 > einzug
schon alleine über den wohnkomplex gäbe es ein halbes buch zu schreiben. (ihr seht einen ausschnitt auf dem bild "die nachbarschaft" - es ist das mintgrüne gebäude ganz im hintergrund) wir wohnen in der sicherlich teuer erkauften haus nummer 888, (das haus nebenan trägt die nummer 621) und das verheißt laut unserem "the five fold happiness"-buch reichtum, glück und alles mögliche gute sonst. es gibt dort nicht nur einen eigenen tennis-platz, einen kinderspielplatz, einen garten mit goldfisch-teich und zwei (!) fahrrad-tiefgaragen, sondern auch ein eigenes mindestens dreißig-stöckiges facility-gebäude, wo man unter anderem ins schwimmbad, in die sauna, in den whirlpool, ins fitness-studio, ins yoga zentrum, auf den golfplatz oder in den leseraum gehen kann. selbstverständlich haben nur mitglieder zutritt, furchtbar teuer ist es noch dazu. magdalena, die eine wohnungsmaklerin, wohnt hier. und kelly, die für ihre wohnung nachmieter suchte, trifft tobi am dritten tag im aufzug.
die wohnung ist aber wohl wichtiger als das ganze drumherum, und die ist bei unserem einzug tatsächlich schöner, als wir sie in erinnerung hatten. nach der schlüsselübergabe fahren wir als erstes zum carrefour - am andren ende der stadt. dort ersteigern wir so wichtige dinge wie eine saftpresse, ein bügelbrett, badezusätze und seidenbettdecken. mich wundert, dass wir überhaupt ein taxi finden, das uns mitnimmt. (ebenso wundert es mich, dass wir mit dem ganzen krempel in ein taxi passen) am abend sind wir völlig müde, aber glücklich.



shanghai 29.8.04 > Sonntag
ob das braune pulver in dem pappkarton mit dem baum drauf tatsächlich ein badezusatz und kein blumendünger ist, wage ich zu bezweifeln. immerhin färbt es sich beim kontakt mit wasser grün!??






shanghai > blumenmarkt
ich mußte beim gang über den blumenmarkt sehr an henrike denken, die hier sicher großen spaß hätte. es gibt ganze fußballfelder voller orchideen, seerosen und natürlich auch strelitzien. wir haben gleich von allem etwas gekauft, auch einen ananas-bonsai, den wir auf den namen "hans-günther" getauft haben.



shanghai 3.9.04 > wir haben eine ayi gefunden!
wir - oder viel mehr: moritz - hat seit heute eine ai: sie heißt lucy und bemüht sich sehr, uns zu etwas mehr umgangs-chinesisch zu verhelfen. am montag sollen wir auch endlich einen festnetz (und damit internet-) anschluß bekommen, da geht dann auch die uni los. vielleicht beginnt damit ein neuer abschnitt - eine art alltag.

shanghai 5.9.04 > ausflug zur longhua pagode
damit hier auf der seite nicht nur viele schöne fotos von uns und unserer nachbarschaft zu sehen sind, hier ein paar bilder einer tempelanlage, die wir uns an unserem letzten "ferientag" angeschaut haben. morgen geht für uns schließlich der ernst des lebens wieder einmal los...







shanghai 8.9.04 > die uni hat begonnen
die letzten drei tage mußten wir so viele texte vorbereiten und vokabeln lernen, dass wir zum schreiben zu müde waren. die uni hat begonnen und läßt uns nur noch wenig freie zeit vom tag, die wir natürlich mit unserem goldkind verbringen. (er kriegt hier übrigens eine ganze menge haare, und die sind tatsächlich blond) obschon ich gestern noch dachte, wohl besser ganz von vorne mit dem unterricht anzufangen, hatte ich heute tatsächlich spaß bei der sache. wir sind gezwungen, alle fragen, die wir so haben, auf chinesisch zu formulieren. und bekommen natürlich auch nur antworten auf chinesisch. wenn wir nicht am wochenende die ersten kapitel unserer vier bücher (sprechen, hören, lesen, schreiben und grammatik) durchgearbeitet und ca. 150 neue vokabeln rausgeschrieben hätten, wären wir vermutlich verzweifelt. so haben wir zumindest einen großteil des unterrichtsstoffes verstanden und wissen, das wir mit viel mühe vielleicht mit unseren "klassenkameraden" (eine koreanerin, drei japanerinnen, ein japaner, eine australierin und ein franzose, immerhin) mithalten können. unsere uni (das musikkonservatorium der stadt) hat sich als sehr gute wahl herausgestellt. sie liegt inmitten eines sehr netten stadtteils, und ist im gegensatz zur fudan, tongji oder jiaotong eine sehr kleine institution mit gerade mal 30 sprachstudierenden. die klassen sind dementsprechend klein. nebenbei profitieren wir von den musik studierenden: im hintergrund wird unser unterricht von klaviermusik begleitet.
damit wir morgens früh nicht mehr so sehr hetzen müssen, haben wir heute außerdem zwei wunderschöne fahrräder erstanden. wir sind gespannt, ob wir das chinesische verkehrssystem (fahrräder fahren in einbahnstraßen immer entgegen der richtung - oder auf dem bürgersteig. ausnahmen bestätigen die regel) in den nächsten tagen besser nachvollziehen können.
shanghai 11.9.04 > der tag der vielen DVDs
an vielerlei straßenecken kann man hier zum sagenhaften preis von 8 yuan film-dvds unterschiedlichster qualität einkaufen. wir hatten zaghaft mit kill bill 1 + 2 angefangen. die uni-woche war dann allerdings so anstrengend, dass wir beim nächsten straßenhändler richtig zugeschlagen haben, um für den fall der fälle (wir haben abends alle hausaufgaben erledigt, alle neuen vokabeln gelernt, haben abendessen zubereitet, das kind zu bett gebracht und sind noch nicht völlig übermüdet) gerüstet zu sein. 38 filme schmücken nun unser regal, dafür haben wir immerhin knapp 30 euro investiert. dafür besitzen wir jetzt aber solche schätze wie die kompletten 7 staffeln von "sex and the city". nicht, dass das die besten filme wären, aber es ist eine angenehm leichte kost nach stundenlangem vokabelpauken.

