Shanghai 27.9.04 > "China empfinde ich als lebensfeindlich"

Mitten in der Woche hat Tobi einen nachmittag kinderfrei, weil Moritz, Riki und Nana eine Hafenrundfahrt bis zur Yangtse-Mündung machen. (Tobi hat selbige schon im November mit Uli und Isabel unternommen) Ganze dreieinhalb Stunden fahren wir vom Bund über Pudong bis zum Yangtse, den man auch gut für das Meer halten könnte - es gibt kein anderes Ufer zu sehen. Für die Fahrt sprechen die folgenden Bilder: die Stadt bzw. ihre Hafenanlagen nehmen eigentlich kein Ende. Hier wird sehr deutlich, das in Shanghai sowohl tags- wie nachtsüber auf den Baustellen gearbeitet wird. Die Arbeiten an der mittlerweile berühmten Skyline von Pudong begannen 1998 auf einem Feuchtgebiet, das bis dato zum Gemüseanbau genutzt wurde. Beeindruckend, wieviel man in sechs Jahren bebauen kann! Weniger gut in Bildern darstellbar sind unsere heutige Begegnung mit chinesischer Logik, die ich ausnahmsweise einmal festhalten möchte. Die Bootsfahrt beginnt mit einem recht herzlichen Empfang, uns werden eine Flasche Wasser sowie je eine Packung Erdnüsse, eingelegte Pflaumen sowie Pilzsuppenpulver (?wofür auch immer?) gereicht. Das Schiff, welches auf der Eintrittskarte abgebildet war, benutzen wir immerhin als Trittbrett, um zu unserem Ausflugsbötchen zu gelangen. Die Fahrt beginnt für uns in einer Kabine auf dem Oberdeck, windgeschützt des Kindes wegen. Leider ertönt ein ungemein störender Lärm. Die ersten zehn Minuten lang bilden wir uns ein, dieses Geräusch könnte irgendetwas mit der Abfahrt zu tun haben. Weitere zehn Minuten lang hoffen wir (weibliche Logik wahrscheinlich) auf ein Wunder. Dann beschließt Nana zu handeln und wagt sich todesmutig nach unten, um das Personal zu befragen. Ich ergebe mich währenddessen unserem Schicksal, augenscheinlich dreieinhalb Stunden lang eine Bootstour 1. Klasse mit dem Geräuschpegel des Maschinenraums ertragen zu müssen. Doch was ist das? Noch bevor Nana zurückkommt, flacht der Lärm ab. Nana betritt die Kabine und grinst. "Och, ich hab nur irgendwas von Lärm gesagt, die wußten gleich was ich meinte, eine Frau hat einen Hebel umgelegt und das war´s dann wohl." Da fragt man sich: Wenn man sich bewußt ist, dass auf einem Schiff irgendetwas einen entsetzlichen Lärm verursacht, dieses "Etwas" aber keinen Zweck erfüllt - wieso schaltet man es dann trotzdem an? Während unseres Ausflugs beschäftigt mich allerdings nicht nur diese Frage. Wir lernen außer Steven von Scotland Yard eine etwa gleichaltrige Münchnerin kennen, die mit ihrer Mutter unterwegs ist. Die Tochter begleitet ihren Freund, der für drei Monate an einer Akupunktur-Fortbildung teilnimmt, die Mutter kommt zu Besuch. Ich frage die Mutter, wie ihr China gefällt, und sie antwortet in etwa "Ach, zum Reisen sehr schön, aber Leben könnte ich hier nicht." China empfände sie als lebensfeindlich. Ich sehe vor meinen Augen die kleinen Wasserschildkröten, die in der roten Plastikschüssel am Straßenrand ihrem Ableben entgegensehen. Lebensfeindlich? -"Ja, also, die ganze Luftverschmutzung. Und dann, dieses Leitungswasser!" Dem ersten Punkt stimme ich klar zu, den zweiten verstehe ich dafür nur bedingt. Klar, man kann das Wasser aus der Leitung hier nicht trinken, aber gleichzeitig hat man 20-Liter-Frischwasser-Automaten, die man zu eben jenem Zweck nutzen kann. Mir wird wieder bewußt, was für einen Luxus es eigentlich darstellt, jeden Tag (und jede Nacht) mit Trinkwasser zu duschen, zu baden, abzuwaschen. Und das Klo zu spülen. Vielleicht empfinde ich den Umgang damit eher als lebensfeindlich?

Hafenanlagen

Hafen

Möhre und Riki auf großer Fahrt

Nana und die Möhre auf großer Fahrt

Moritz-Möhre

Shanghai vom Pu aus gesehen

Shanghai 28.9.04 > Mondfest

Meine Kenntnisse über das Mondfest beschränken sich leider darauf, dass es in einer Vollmondnacht Ende September/ Anfang Oktober gefeiert wird und zwar im Familienkreis. Es gibt vorzugsweise köstliches Essen und theoretisch massenweise Mondkuchen. (Traditionelles Gebäck mit einem "Mond" aus Eigelb? in der Mitte, das rund um das Mondfest tonnenweise verkauft wird) Dieses Halbwissen reicht aber aus, den Abend in vollen Zügen zu genießen. Nana, Moritz, Tobi und ich trinken Osmanthusblüten-Tee im Guilin-Park und gönnen uns danach einen "Hot Pot" im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere Nachbarn springen erstaunt auf, als sie unseren Kessel erblicken und rufen etwas, das wohl heißen mag "Oje oje, das ist doch die Extra-Scharf-für-uns-Chinesen-schon-nicht-zu-ertragen-Variante!" So viele Chili-Schoten aufeinmal habe ich tatsächlich noch nie in einem Essen gesehen. Der Kellner sprach also doch nicht so gut englisch, wie wir vermutet hatten.....

Guilin-Park im Festschmuck

Osmanthus-Blüte

Osmanthus-Blüten-Tee

Die Glückslaternen -> viel Glück beim Scharfstellen hat's nicht gebracht

Xu Jia Hui am Abend

Der Mond zum Mondfest

Verhaltensregeln beim Aufzugfahren

1. Falls man sich in Wartestellung vor einem Aufzug befindet, stürmt man just in dem Moment, in dem die Aufzugtüren sich öffnen, in den Aufzug ohne nach rechts und links zu blicken, geschweige denn nach drinnen.

2. Falls man sich in einem Aufzug befindet und aussteigen möchte, stürmt man just in dem Moment, in dem die Aufzugtüren sich öffnen, aus dem Aufzug ohne nach rechts und links zu blicken, geschweige denn nach draußen.

3. Es passen soviele Leute in einen Aufzug wie Leute in einen Aufzug passen, und keinesfalls weniger.

4. Falls der Aufzug überfüllt ist, man aber dennoch einsteigen möchte, hält man sich an Regel 1.

5. Falls der Aufzug mehr als überfüllt ist, man zu den glücklichen Insassen gehört und dennoch Leute einsteigen möchten, ruft man diese "Ist schon voll" zu und grinst dabei hämisch.

6. Falls man dennoch einsteigen möchte, hält man sich an Regel 1.

7. Ertönt ein Warnsignal, fährt der Aufzug wegen Überfüllung nicht weiter. Hier zeigt sich, wieso die von den Türen am weitesten entfernten Plätze die besseren Plätze sind: von dortaus wird der Überschuss nach außen gedrückt.

Wir wünschen allzeit gute Fahrt!

Shanghai 8.10.04

Shanghai-Frühmorgen

Shanghai 11.10.04 - der letzte zahnlose Tag

Dieser Tag geht in die Geschichte ein als der letzte Tag, an dem Moritz noch KEINEN Zahn vorzuweisen hatte. Fast passend zu seinem Halbjahres-Geburtstag ist er nun also dem Erwachsen-Werden ein ganzes Stück näher gekommen. Ob das wohl der Grund dafür ist, dass er heute abend ohne nennenswertes Geschimpfe eingeschlafen ist? Der Grund für den Ausschlag am Po und die Verstopfung? (Beides ist zum Glück schon viel besser bzw. gänzlich behoben) Wie auch immer: wir freuen uns.

Hausaufgaben machen

Shanghai 12.10.04 - Telefonrechnungen

Tobi ist zum deutschen Stammtisch gegangen. Moritz ist - wie bereits erwähnt - viel schneller und unkomplizierter eingeschlafen als angenommen. So kann ich endlich mal wieder eine kleine Geschichte zum besten geben, bevor ich vor lauter Freude über die ungewohnte "Freizeit" ins Bett falle und schlafe...

Vor einiger Zeit, es werden wohl zwei drei Wochen gewesen sein, flatterte eine enorm hohe Telefonrechnung (sie betrug gute 6 Euro) in unseren Briefkasten, die wie so vieles andere erstmal auf einem Stapel aus Dingen landete, die in der Wohnung noch immer keinen festen Platz haben. Im Normalfall würde sie dort wohl weiterhin ihrem Dasein fristen, aber für solch einen Normalfall haben wir schließlich eine Lucy! Sie erinnerte uns, dass die Rechnung spätestens bis zum 12.10. bezahlt werden müßte. Tobi, der sich bereits durch massenweise Beipackzettel und Waschmaschinenprogramme kämpfte und dementsprechend die besseren Erfahrungswerte vorzuweisen hat als ich :-), machte sich also daran, die Rechnung auf der Suche nach Kontonummer, Bankverbindung und dem Betreff zu übersetzen. Ein chinesisches Konto zum Überweisen hatten wir schließlich zu solch einem Zwecke extra eröffnet. Als alles geschafft war, ging es auf zur nächsten Bankfiliale. Leider leider traten dort ungeahnte Schwierigkeiten auf: eine Rechnung zu übersetzen, die man neben sich auf dem Tisch liegen hat, ist eine Sache. Den (chinesischen) Anweisungen eines Bankautomaten zu folgen ist eine gänzlich andere! So weit, so schlecht also. Und des Rätsels Lösung? - Am Abend kam Kelly zu Besuch, und die erklärte auf unser Nachfragen, Telefonrechnungen könnte man in jedem 24-h-Shop begleichen (davon gibt es so ca. an jeder Straßenecke einen). Ganz nach dem Prinzip: eine Tüte Chips, zwei Dosen Bier, und, ja: eine Telefonrechnung, bitte! Schon lustig, wie einfach manche Dinge hier laufen...

Shanghai 14.10.04 - Shanghai Museum

Ausstellung im Shanghai Museum

eine wunderschöne Abteilung mit Steinarbeiten

hunderte kleiner Buddhas

ein reich verziertes Siegel

Shanghai 15.10.04 - Moritz 0,5ter Geburtstag

hen gao xing!

Beijing 23.10.04 - Tobi auf Reisen

Während Riki und Moritz in Shanghai bleiben, fährt Tobi für eine Woche nach Beijing. Leider zum Arbeiten, so bleibt nur ein Tag um die vielen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Dazu ist es in Beijing schon fast winterlich kalt. Im Zuge der großen Wirtschaftsdelegation muss so manche Peking Ente ihr Leben lassen.

Beijing Eindrücke

Beijing Ente

Tiannamen Platz

Eingang zur verbotenen Stadt

in der verbotenen Stadt

in der verbotenen Stadt

Dachziegeln

Jiashan Park


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