Shanghai 29.10.04 - "Alleinerziehend"

Den meisten Menschen mag es bewußt sein, doch ich möchte an dieser Stelle meine Hochachtung vor alleinerziehenden Müttern oder Vätern zum Ausdruck bringen. Fünf Nächte und nochmals fünf Abende in Folge "alleine" mit einen zahnenden Kind zu verbringen, haben mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit gebracht. Nun ist der zweite Zahn da und Tobi von seiner Delegation zurück. Das Leben geht weiter!

Shanghai 31.10.04 - East China Normal University

Heute haben Moritz und ich mal eine "normale" chinesische Universität beguckt. Zum Campus gehören riesige Rasen- und Wasserflächen, viele Bäume. Eine Menschenmenge bewegt sich über das weitläufiges Gelände, welches die Großstadt drumherum fast ausblendet. Unser gesamtes Musikkonservatorium ist dagegen etwa so groß wie der hiesige Sportplatz. Wir besuchen Antje, die mit ihrem Mann Ange und ihrer zweijährigen Tochter Yasmine ebenfalls zum Chinesisch-Lernen hier ist.

Moritz und Yasmine

Moritz neue Familie ;o)

Shanghai 03.11.04 - Der Postbote

Wir haben Post gekriegt. Zum einen eine Postkarte von Helena, zum anderen einen Brief von Andreas. Das ist vielleicht eine seltene Freude in Zeiten des Internets, im eigenen Briefkasten etwas anderes als Rechnungen vorzufinden! An dieser Stelle allen fleißig Schreibenden hierfür einen herzlichen Dank. Moritz freut sich auf seine Weise mit - er betätigt sich liebend gern als Briefumschlag-Öffner bzw. Ansabberer.

Moritz packt die Post aus

Shanghai 05.11.04 - Der große Spaß am Morgen

Es ist zwar nicht immer klar, wo an der Zahnbürste vorne ist, aber das Putzen weckt morgens wie abends Begeisterungsstürme. Was Weleda wohl ins Zahngel gemixt hat? Und wie lange der Spaß bei steigender Zahnanzahl wohl noch anhält?

Zähneputzen

Shanghai 06.11.04 - Familienbesuch

Nach über zwei Monaten ist er endlich da: der erste Familienbesuch. Mao-Li-Zis "Nai-nai" und "Ye-ye" (nur nicht zu verwechseln mit "Wai-po" und "Wai-gong") kommen für ganze 10 Tage in den Genuß, beim abendlichen Abwasch die Skyline von Pudong zu genießen. Uschi und Rolf haben sich zuerst Südchina angeschaut und sind dann nach Shanghai gekommen. Wir schlendern gemeinsam durch unseren Kiez, präsentieren das Teehaus und unsere Uni, die Altstadt und den Stoffmarkt. Im Gegenzug dürfen wir uns wunderschöne Bilder von Hongkong, Kanton, Sichuan und Yunnan anschauen. Die Landschaftsaufnahmen wirken sehr gegensätzlich zu dem China, welches unseren Alltag ausmacht. Dieses ist wohl doch eher urban zu nennen. Oder, wie Jenny zu den Photos von unserer "schicken kleinen Stadt" schreibt: "Abgefahren, wie im Sience fiction."

Video

in der Altstadt

einkaufen im Schlafanzug

Bratküche

Shanghai 10.11.04 - Shanghai Art Biennale

Nachdem wir von Nana schon vor Wochen den Katalog bekommen haben, sind wir nun endlich selbst dagewesen.

Art Biennale

Art Biennale

Art Biennale

Notausgang

Suzhou 11.11.04 - Ausflug in das 'Venedig Chinas'

Wahrscheinlich waren unsere Erwartungen einfach viel zu hoch geschraubt. Von allen Seiten hatte man über Suzhou geschwärmt, der Reiseführer sprach gar von „Jiangsu´s most famous attraction“. Wir waren also so guter Dinge, einen unserer wertvollen Schulvormittage einer Familienfahrt zum Venedig Chinas zu opfern und die entsprechenden Unannehmlichkeiten (Wie kaufe ich einer chinesischen Metropole ein Bahnticket? – Schwieriger als man meinen könnte und ohne chinesische Sprachkenntnisse augenscheinlich unmöglich) auf uns zu nehmen. Dem reichlich trüben Novemberwetter begegneten wir mit wetterfester Kleidung und störten uns nicht weiter dran. Die Zugfahrt war dank des wundervollen Ausblicks (irgendwann gab es tatsächlich keine Hochhäuser mehr) herrlich. Am Bahnhof angekommen wichen wir gekonnt den etwa 15 bis 20 Touristenführern aus und machten uns selbstständig auf den Weg. Erstes Ziel: das Seidenmuseum. Als nächstes steuerten wir eine Pagode an, von der es hieß, dass der Blick von oben eine gute Übersicht über die Stadt geben würde. Für uns klang diese Übersicht nach viel Wasser und Stadtgrün nebst romantischen Altbauten. Das Bild, das sich uns bot, bestand vielmehr aus reichlich grässlichen Neubauten nebst einer Reihe von Riesenbaustellen. Von Grün (oder gar Blau) keine Spur. Irritiert machten wir uns an den Abstieg und kehrten erst einmal in eine Gaststätte ein. Den Park, den wir uns für einen Spaziergang ausgesucht hatten, sollte immerhin zum Weltkulturerbe gehören und würde uns wohl nicht völlig enttäuschen können. „The Humble Administrator´s Garden“, der bereits im 15. Jahrhundert angelegt wurde, war tatsächlich mehr als sehenswert. Leider waren wir nicht die einzigen, die sich darüber eine Meinung bilden wollten. Große Reisegruppen mit gelben, blauen oder roten Kappen, Tüchern oder Ansteckpins durchquerten im Gänsemarsch die fünf Hektar, angeführt von unscheinbaren Führern mit unauffälligen Megaphonen, deren Geräuschproduktion jedoch alles andere als unauffällig war. Mit anderen Worten: es ging zeitweise zu wie auf einem Jahrmarkt. „Meine Damen und Herren! Was sie hier sehen, gleicht nicht dem, was sie dort sehen…“ Wenigstens das Teehaus bot einen ruhigen Moment. Da es dort schon dunkelte, beschlossen wir, bis zu unserer Abfahrt nur noch ein wenig durch die Altstadt zu schlendern. Das einzige Problem bestand nun noch darin, dieselbe zu finden. Wir liefen und liefen und liefen von einer Straße in die nächste, ständig auf der Suche nach älteren Gebäuden, einem Leben abseits des Tourismusgeschäftes… und wurden leider nicht fündig.

Tobi resümierte: die Stadt ist – abgesehen von einigen hübschen Gartenanlagen - eine einzige große Shoppingmall. Es ist tatsächlich so, dass Suzhou sowohl von Kanälen umgeben wie auch von Kanälen durchzogen ist. Aufgrund dieser Tatsache würde man das Hafengelände von Rotterdam trotzdem nicht als das „Venedig der Niederlande“ bezeichnen.

Ich habe den Tag trotzdem als großes Geschenk betrachtet: ein Familienausflug von morgens bis abends, 24 h lang keine Verpflichtungen, denen ich nachgehen muss (bzw. die Gelegenheit, diese auszublenden). Noch dazu ist mir klar geworden, woran es Shanghai mangelt und was ich am stärksten an der Stadt vermisse – es fehlt das Berliner Umland. Weitläufige Parks, die nicht stundenlange Taxifahrten erfordern. Oder wenigstens große Plätze, auf denen gerade nicht gebaut wird. Irgendeine Fläche ohne Verkehrslärm. Und ohne Ramsch. Falls sich die Gelegenheit dazu ergibt, werde ich das mal einem zuständigen Stadtbeamten erzählen. Oder noch besser: Sobald ich in der Lage dazu bin, das in chinesische Sätze zu verpacken, mache ich mich mal auf die Suche nach einem entsprechenden Stadtbeamten. Man hat ja sonst nix zu tun.

Tempelkerzen

Sehenswürdigkeit Nummer Eins

Garten des bescheidenen Politikers

Garten des bescheidenen Politikers

erschöpfte Heimfahrt

Shanghai 12.11.04 - Die kleinen Freuden

Im eigenen Stuhl sitzen und Toastbrot essen. Oder aus der Tasse trinken. Beides Tätigkeiten, die noch perfektioniert werden könnten. Aber ein Anfang ist gesetzt. Ein gemeinsames Frühstück zu fünft ist aber auch etwas sehr Feines.

Neuer Stuhl, neues Essen

Bund am Abend

Blick nach Pudong

Pudong Skyline

Shanghai 14.11.04 - Abschied/Neubeginn

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Familie. Moyce, meine Lieblingsgroßtante von allen, wird 80 und ich bin sehr dankbar, die Gelegenheit gehabt zu haben, persönlich zu gratulieren. (Klar hätte ich auch gerne mitgefeiert, aber der Weg nach Hamburg war ein bißchen weit) Bei uns gab es währenddessen zum vorerst letzten Mal gepulte Pomelo zum Frühstück, sind wir mit Uschi und Rolf zu unserem Lieblings-Arabischen Restaurant gegangen (um chinesischen Kohl, Lammfleischspieße und Sesam-Pommes zu essen, für jeden etwas) und haben gemeinsam Kuchen gegessen und Kaffee getrunken. Am späten Nachmittag begann für die beiden der Rückweg nach Deutschland, wo anscheinend mittlerweile schon Schnee gefallen ist (wie geheime Quellen aus dem Westerwald berichten). Wir freuen uns alle auf ein baldiges Wiedersehen! Und Drücken die Daumen, dass sowohl das Pferd wie auch die Orchideen den Flug überlebt haben.

Shanghai 22.11.04 - Schwesternbesuch

Uta kommt für eine Woche zu Besuch und ich gehe zum ersten Mal so richtig ausschließlich shoppen. Hier stellen wir wieder einmal fest, dass in China die angestrebte Wunschvorstellung des Äußeren nicht der unseren entspricht. (Wir lernten vor kurzem im Unterricht, wie man eine Person beschreibt nach dem Motto "groß oder klein, dick oder dünn, blond oder schwarz, Kurz- oder Langnase, Mund, Augen, Kleidung" und ich begann den Fehler, bei der anschließenden Übung den Mund einer Mitschülerin als groß zu bezeichnen. Das gehört augenscheinlich nicht zu den Schönheitsidealen, mein Satz wurde verbessert als "wenn sie lacht, hat sie einen großen Mund". Ebenso köstlich: wir gelten allesamt als Langnasen, egal ob unsere Nase nun lang ist oder nicht - somit tut es also nichts zur Sache, wie eine Person tatsächlich aussieht, sie wird immer mit schmeichelhaften oder Typ-zugehörigen Ausdrücken beschrieben). Wir waren jedenfalls hocherfreut, Verkäuferinnen zuzusehen, die bei unserem Anblick in ihren Kleidungstücken in Begeisterungsstürme ausbrachen: "Meine Güte, darin kommt aber erst richtig gut zur Geltung, wie außergewöhnlich blass sie sind!"

Uta und Riki beim Tee

Shanghai 23.11.04 - Milchmädchen

Hier endlich mal im Bild verewigt, was so ein toller chinesischer Eisbecher (geschrabbtes gefrorenes Wasser mit Milchmädchen obendrüber und wahlweise Bohnen oder Cornflakes und Kaffee) hermacht. Lecker!

Uta und Riki beim Eis im Fragrant Campher

Shanghai 26.11.04 - Der herrlich blasse Pullover


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