Shanghai 07.01.05 - Prüfungen geschafft

Ausblick ins neue Jahr

you wen hua - wir haben Kultur

Shanghai 09.01.05 - Wie versprochen

Glorreich haben wir entgegen erster Erwartungen die Abschlußprüfungen der zweiten Klasse bestanden und so ist endlich endlich einmal Zeit, wenigstens ein paar Sätze über unser Befinden zu formulieren.

Wir haben Weihnachten gut verlebt, ebenso ein unspektakuläres Silvester. Von Brechdurchfall zwischendrin habe ich mich nicht kleinkriegen lassen, ebenso wenig wie von recht unruhigen Nächten. Moritz kriegt - mittlerweile sichtbar - Zahn 6, 7 und 8 und ist von daher recht wechselhaft gestimmt. Er hat robben gelernt und freut sich sichtlich, die ganze Wohnung zu erkunden. Wir haben im Gegenzug fast alle Steckdosen verklebt und gelernt, dass man keinen Kaffee auf dem Tisch stehen läßt. Wir kaufen keine Blumen mehr, die man auf den Boden stellen würde und lassen den kleinen Racker nicht mehr aus den Augen. Nicht nur, dass er sich mit Händen und Zähnen an allem hochzieht, was sich so anbietet, nein, er schafft es tatsächlich, Teile unseres Wohnzimmertisches (der besteht aus lauter Würfeln) als Gehhilfe zu verwenden. "Bloss das Runterkommen - fällt so schwer"

Die nachbarschaftlichen Theorien über das Aussehen unserer "Babi-wawa" (zu deutsch Barbie-Puppe, er weißt ja alle erforderlichen Merkmale: große Augen und blondes Haar! auf) werden immer spekulativer. Er hatte ja schon seit längerer Zeit die beiden äußeren Schneidezähne, wohingegen die inneren noch fehlten. Der vermutete Grund: weil er immer noch so viel Milch zu trinken bekommt. Chinesische Kleinkinder selbigen Alters werden im Gegenzug nämlich fleißig mit Ei, Fisch und Kohlgemüse gefüttert, um die Nährstoffversorgung zu sichern. Andere Länder- andere Sitten. Wenn man es so betrachtet, ist in Shanghai aber auch eher noch Platz für Hühner als für Kühe.

Moritz Sprachentwicklung läßt noch keine eindeutigen Schlüsse zu. Am 2. Weihnachtstag rief er zwar zur großen Begeisterung Wang Fangs laut und deutlich "Dui!" (Ja!), aber er erprobt sich auch an solch komplizierten Silben wie "Grugru", das eindeutig nicht dem chinesischen zuzuordnen ist. Nun aber zu uns. Tobi stand gestern als einer der 4000 deutschen Geschäftsleute Shanghais in der Zeitung und wir beide freuen uns, dass endlich Ferien sind. Ich möchte die Zeit nutzen, mal ein waschecht chinesisches Architekturbüro von innen zu betrachten und außerdem mal wieder in Ruhe eine Zeitung lesen. Klar sind die Tsunami-Nachrichten auch zu uns gedrungen, aber Nachrichten wie die Bekanntmachung der Beendigung des Sudan-Krieges kamen für mich überraschend. Das Deutschlandfunk-Hören via Internet weißt leider noch gewisse Schwächen auf... Wahrscheinlich lassen wir uns aber auch zu sehr ablenken. Um die Ecke hat ein kleines Wiener Café eröffnet, wo es tatsächlich (von Konditorin Hedda) selber gebackenen Apfelstrudel sowie Sachertorte als auch hervorragenden Käsekuchen gibt.

Vienna Café

Kein Wunder, dass wir planen, unseren (während der Ferien stattfindenden) privaten Kou-Yu-Unterricht dort hinzuverlegen! Und die zweite große Ablenkung ist die Ausicht auf Urlaub. Wir entfliehen dem doch recht kalten Shanghaier Winter (momentan ist es wieder so um die 0 Grad draußen, somit also etwa 15 Grad kälter als im Rheinland - buhu!) und zwar auf eine kleine Inseln namens Tioman. Dieser Teil Malaysias wurde vom Seebeben verschont, und wir hoffen auf weißen Sandstrand, klares Wassser und schönes Wetter. Wenn das keine guten Aussichten sind!

Shanghai 15.01.05 - Pudong Ocean Aquarium

Noch kaum zehn Jahre alt werden in Pudong die ersten Gebäude schon wieder abgerissen, um neuen, größeren Projekten Platz zu machen.

Mein bislang einziger Besuch Pudongs am hellichten Tag (sieht man mal von den Fahrten vom und zum Flughafen ab) bestand aus einer Fahrt mit dem Bus in die falsche Richtung. So werden an diesem Wochenende gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn einen Familienausflug haben wir auch schon lange nicht mehr gemacht. Die Architektur der Becken ist es, die das Aquarium spektakulär macht. Man betritt ein Laufband, das in einer Röhre unter denselbigen entlangläuft und kann Fische und Reptilien beobachten, die über dem eigenen Kopf entlangschwimmen. Das entschuldigt die ausschließliche Verwendung von Plastikpflanzen, oftmals viel zu kleine Terrarien sowie zwei völlig vereinsamte Pinguine in einer Eislandschaft aus Pappmaché.

... sich noch schnell die Füße warm föhnen lassen!

Kaum gelernt und schon als langweilig befunden - Moritz möchte mittlerweile lieber laufen als herumrobben. Wir geben uns viel Mühe, setzen ihn immer wieder auf den Boden... um dann zuzuschauen, wie er sich dem nächstbesten Möbelstück zuwendet, sich daran hochzieht um sich letztendlich daran entlangzuhangeln. Ein Glück, dass es noch andere Dinge gibt, die seine Begeisterung wecken. Füße föhnen ist eines davon. Essen gehört natürlich ebenfalls weiterhin zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Am Sonntag sind wir mit Frank und Wang Fang brunchen gegangen, ein französischer Besitzer bot spanisches Essen für 128 RMB inklusive endlos wahrlich köstlichen Kaffees und einer Bloody Mary. Moritz hat sich entgegen aller Erwartungen ebenfalls bestens gefühlt - durfte er doch ein Stückchen Melone und ein bißchen Kouskous, etliche Brotkrumen sowie von Papa eingemachten Kürbis essen. Man muss nur genug dabeihaben, dann ist die gute Laune gesichert!

Shanghai 20.01.05 - Winter

König des Toasts

Ich hab tatsächlich alle meine wunderschönen Wollsocken und Wollstrumpfhosen in Deutschland gelassen. Ich hatte mir eingebildet, dass hier ein milderes Klima herrschen würde als im frostigen Berlin. Weit gefehlt. Es ist zwar noch nicht zu Schneefällen gekommen, die auf die ganze Stadt eine weiße Eisdecke gelegt haben (obwohl: die Chinesen haben mindestens genauso einen Aufruhr um das bißchen Neujahrsschnee gemacht; es gab zum ersten Mal seit Jahren überhaupt ein paar weiße Flocken), aber es ist einfach trotzdem kalt. Die Kleidung trägt dabei nicht die Hauptschuld, es sind vielmehr die undichten Schiebefenster, der Spalt unter der Haustür, und die Klimaanlage, die weniger einer Heizung ähnelt, als einem gigantischen Fön. Sie ist praktisch ebenso laut und produziert ebenso herrlich trockene Luft. Nicht, dass ich mich darüber beschweren könnte. Anfang des Jahres ist das Ding tatsächlich eingefroren, und produzierte folglich nichts als einen kühlen Luftzug. Das war durchaus weniger angenehm. Zum Trost gibt es wenigstens eine andere höchst kuschelige Alternative, um warme Füße zu bekommen: mit Moritz und seinen mittlerweile vier Enten baden zu gehen. Ein königliches Vergnügen! Wir sehnen uns trotzdem nach dem Frühling. Und freuen uns umsomehr, im Februar nicht hier zu sein. :-)

Shanghai 21.01.05 - Kuscheln auf dem Sofa

nach einem langen Tag ...

Shanghai 22.01.05 - ein köstlicher Tag

Moritz isst mit der Belegschaft

Wir haben das beste Restaurant der Gegend gefunden. Zweimal sind wir schon hiergewesen, heute war der dritte Besuch, und es war alles köstlich, von den in Teig gebackenen string beans (die heißen so, weil sie etwa einen halben Meter lang sind), über scharfe Lotuswurzel und Pilz-Drypot (im Gegensatz zum Hotpot handelt es sich hier nicht um Suppe) bis hin zum mit Rippchen gefüllten (ganzen) Kürbis. Selbst Moritz hat´s geschmeckt. Manchmal fürchte ich ja, ihr könntet alle denken, dass wir in China nichts tun außer essen und vor allem: essen zu gehen. Aber betrachten wir das Ganze doch einmal positiv. Frank fragte letzte Woche, was man hier wohl tun würde, wenn man NICHT shoppen gehen würde. Und da gehört essen gehen doch noch zu den besten Alternativen. Solange man sich nicht jeden Tag so überfrißt...

Freunde auf dem Markt

Mit den sich bessernden chinesisch-Kenntnissen wächst auch gleichzeitig unsere Fähigkeit, mit Personen, mit denen wir täglich aufeinandertreffen, in näheren Kontakt zu treten. Vergangene Woche hatte ich zu einer Frau auf dem Obst-, Gemüse- etc. Markt gesagt, was für eine hübsche Mütze ihr Kind trüge. Sogleich kam eine zweite Frau hinzu, die mir verkündete, sie könnte mir eine ebensolche Mütze besorgen, weil sie eine dritte kenne, die eben jene produziere. Diese ließ sich dann tatsächlich nicht davon abbringen, für Moritz eine Mütze zu machen, eine blaue mit weißem Muster. Geschenkt. Bei unserem heutigen Einkauf gab es dann endlich die verdienten Gruppenphotos mit Kind und Mütze, mitten am Marktstand.

Shanghai 23.01.05 - entlang des Suzhou Creeks

Die Kunst, einen Wäscheständer zu finden

Der Sonntag zeigte sich zwar nicht von seiner allerschönsten Seite, dennoch haben wir die Energie aufgebracht, uns endlich einmal das nördliche Ufer des Suzhou Creek anzuschauen. Wasser in der Stadt - in Europa ein an Wichtigkeit kaum zu übertreffender Standortfaktor, in China Werbeträger für diverse Wohnprojekte. Während eine moderne Wohn- oder Büroanlage ohne geschwungenen Goldfischteich hier undenkbar ist, verschmäht Shanghai auf der anderen Seite im großen und ganzen ihre "natürlichen" Wasservorkommen. Der Pu gelangt am Bund zu einem gewissen Maß an Aufmerksamkeit, allerdings mangelt es an Möglichkeiten zum Verweilen. Es gibt zwar mindestens 30 verschiedene Photographen, die ihre Dienste anbieten, aber keines eines der bei uns so beliebten Restaurants oder Cafés am Ufer. Aber immerhin: es gibt eine Promenade. Die Gestaltung der Ufer des Suzhou Creek dagegen läßt das Gewässer in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Mit Nana hatte ich im Herbst das südliche Ufer besucht. Hartnäckig kämpften wir uns auf der Straße - einen Bürgersteig gab es nicht - an Betonmauern entlang, um nach einer Ewigkeit zu einer unscheinbaren, völlig verbauten Aussichtsplattform zu gelangen, die uns bewies, was wir längst vermuteten: dass der Fluss auch auf den folgenden mehreren hundert Metern von der ihn umgebenden Stadt weiterhin streng getrennt verlaufen würde. Das Nordufer präsentierte sich als ein wenig zugänglicher. In der Nähe luxuriöser Wohnstätten hatte man sich gar an landschaftsarchitektonischen (Kleinst-)Eingriffen versucht. Trotzdem verstärkt das eher ein trauriges Gesamtbild. Der Landwehrkanal ist sicherlich auch keine Ausgeburt der Schönheit, doch durch die Einbindung und die sich an den Ufern fortbewegenden oder amüsierenden Menschen versprüht er seinen eigenen Charme. Bleibt die Frage, ob man dem Suzhou Creek mehr Aufmerksamkeit wünschen soll. Eines nämlich bewahren Abschnitte des Uferweges auf recht einzigartige Weise: die Ruhe fernab von Autoverkehr und boomenden Einkaufsmeilen.

Shanghai 28.01.05 - Wer findet den Fehler?

man nimmt es mit dem 'nicht-chinesischen' nicht so genau ;o)

Shanghai 30.01.05 - das letzte Business Meeting


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