Shanghai 01.05.2005 - 1. Mai
So entspannt wie schon lange nicht mehr. Die Leichen aus den Kleiderschränken und von den Schreibtischen (dank des fleißigen Einsatzes von Uschi und Rolf) entfernt, einen roten Ahorn für den Balkon gekauft, von Huadeng zu einem phantastischen vietnamesischen Essen eingeladen, anstatt im schimmeligen Klassenzimmer mit Loch in der Decke ein Picknick im Grünen veranstaltet. So läßt es sich aushalten.
Shanghai - der weitere Mai
... oh je, jetzt wo ich das schreibe ist bereits Juni. Der Mai war schön und viel zu anstrengend. Zu den vielen schönen Dingen gehört sicher der Besuch von Henrike, Max und Markus. Zu den traurigen: unser Teehaus hat zugemacht, von einem Tag auf den anderen war das ganze Teehaus nebst Gebäude nicht mehr da. Dafür hat die Distrikt Bibliothek ihren Zaun wieder...









Shanghai 16.05.2005 - Nachtrag
Henrike ist mit Max und Markus auf Asienreise. Nachdem sie sich Hongkong angeschaut und sich mit Richard in Guangzhou getroffen haben, haben sie den Zug genommen und sind zu uns nach Shanghai gereist. Mittlerweile ist auch das bereits Geschichte, gerade müßten sie wohl in Seoul unterwegs sein (und Kimchi essen?) - trotzdem ist das Gefühl geblieben, Berlin zum ersten Mal seit langem wieder sehr zu vermissen, gerade weil ein Stück davon soeben auf Besuch gekommen ist. Es ist momentan recht unvorstellbar, dass wir in etwa zwei Monaten nach Deutschland reisen werden, auch wenn die Vorfreue klar groß ist. In jedem Fall bin ich gespannt, ob Henrike und ich einen Anlass finden, ihr Kleid zusammen "auszuführen". Ich hoffe darauf. :-)











Shanghai 19.06.05 - Mit Fritz und Elsbeth im Park




Shanghai 26.06.05 - Die Zeit rennt
Das schlechte Gewissen meldet sich. Ich habe mir etwa drei Mal pro Tag vorgenommen, am Abend was zu schreiben, um dann am Abend wieder einfach nur einzuschlafen. Es ist viel passiert, vielleicht berichte ich aber das Wichtigste zuerst. Wir fliegen am 21. Juli in Shanghai ab, kommen also folglich am 22. Juli in Berlin Tegel an. Und wir hoffen, euch in dieser Zeit sehen und mit euch Pellkartoffeln mit Quark, viel Vollkornbrot und Schokolade teilen zu können, Picknick im Park zu veranstalten oder einfach nur ein Bier zu trinken. Wir bleiben in Deutschland bis zum 18. August, das impliziert dann auch die zweite wichtige Neuigkeit: wir geben euch allen weiterhin Gelegenheit, China und insbesondere Shanghai kennenzulernen, indem ihr uns besucht. Uli, ich rechne also fest mit dir im November. Wir verlängern unseren Aufenthalt, Tobi wird arbeiten (das tut er ja jetzt schon, viel), ich so wie es aussieht ebenfalls. Ihr seid trotzdem herzlich willkommen! Während ich das so schreibe, erscheint mir alles andere irgendwie nebensächlich, obwohl es natürlich auch anderes Neues gibt. Moritz zahnt, alle Eckzähne sind auf dem Weg, wie auch der dritte und vierte Backenzahn. Er macht täglich mehr Laute, das schönste ist allerdings, wenn er (ich deute es einfach so) den Opa Rolf ruft (ich wüßte nicht, wenn er sonst mit rulle rulli meinen sollte). Ich hatte schon große Sorgen, dass er in Deutschland womöglich gar nicht glücklich über das Essen sein würde, wo er ja am liebsten Jiaozi-Nudeln und Qing Cai isst, aber gestern haben wir Gabelspaghetti und Tomatensauce gekocht (wenn das nicht ur-deutsch ist!), und das fand er ebenso prima. Ich bin so gespannt, wie sich Karoline, Mila, Leon, Lore, Linus, Maya, Pauline und Kugel in der Zwischenzeit so gemacht haben und auf euch alle anderen natürlich ebenso. Bis bald.



Shanghai 01.07.05 - Elternbesuch III
Auch bald schon wieder zwei Wochen her ist der Besuch von Elsbeth und Fritz. Nach einem turbulenten Wochenende (Samstag abend fliegt Riki zur Arbeit nach Jinan/Shandong und muss sich mit Carlo, Frank, Wang Fang und Investoren betrinken, Sonntag fliegt Tobi zur Arbeit, nachts kommt Riki zurück und löst Lucy ab) beginnt Montag abend das Drama, zu viel Essen, zu viel Alkohol, zu viel Sonne und zu wenig Schlaf führen zur schrecklichsten Nacht des Jahres. Um 23 Uhr kommt Lucy, um der brechdurchfallgeplagten Riki den zahnungsgeplagten Moritz abzunehmen, Frank löst morgens ab und mittags folgt das Großeltern-Enkel-von-0-auf-100-Programm. Als mein Magen endlich besser ist, fängt es bei Fritz an, so dass sich unsere kulinarischen Erlebnisse weitgehend auf (selbstgekochten) Kartoffelbrei beschränken. Das Klima ist mörderisch, fast so schlimm wie jetzt, rund um 37 Grad, schwül-heiß, sobald es abends abkühlt (wenn man 33 Grad dann als Abkühlung bezeichnen kann) freuen nicht nur wir uns sondern auch die Tiraden an Mückenschwärmen, die hier angeblich wohl nicht nur das weibliche Geschlecht, sondern auch Menschen europäischer Herkunft bevorzugen: schön. Ein Glück es gibt trotzdem das Wiener Café, Brunch im Paulaner, ein Glück es gibt den Spielplatz, der Moritz jeden Tag aufs Neue glücklich macht. Und ein Glück, es gibt eine Schneiderin, die einem so viele hübsche Kleidung machen kann, wenn man nicht gerade an der Straße passenden kurzärmeligen Hemden für 2 Euro das Stück über den Weg läuft. Ich hoffe, es hat euch trotz viel Anstrengung hier gefallen.
Shanghai 02.07.05 - Accessoires
Die Prüfungen an der Uni sind geschafft (der HSK folgt nächsten Sonntag, 9 Uhr früh), da kann man sich auf dieser Seite endlich wieder mal weltlichen Themen widmen. Heute möchte ich euch von zwei neuen Modeschöpfungen berichten, die wie so manche Bohnenkalt- oder auch Lauwarmgetränke in Europa auf nicht ganz so viel Gegenliebe stossen würden. Es handelt sich in beiden Fällen um Fahrrad bzw. Motorradaccessoires. Zum einen gibt es da etwas, man könnte es wohl am ehesten Ärmel nennen. Wie beschrieben belaufen sich die Tagestemperaturen hier auf weit über 30 Grad, die Leute bekleiden sich da zwar immer noch mehr als unsereins, aber kurze Ärmel gibt es schon desöfteren. Die große Angst, die dabei umgeht: man könnte ja die somit entblössten Unterarme aus versehen bräunen! Und das geht ja nicht. Also gibt es praktische Ärmel, zumeist weiß, manche hinten zusammen wie ein Bolero Jäckchen für Hausfrauen, manche wie Ärmelschoner übergestülpt, die während des Fahrens getragen werden können. (Wenn man zu Fuß geht, nimmt man schließlich einen Sonnenschirm). Zum anderen, noch abgedrehter, gibt es an Haarreifähnlichen Konstruktionen befestigte Masken, die nicht nur die Augen vor der Sonne schützen, sondern gleich das ganze Gesicht, schwarz und riesig, ist man den Anblick nicht gewohnt, denkt man, Darth Vader persönlich zu begegnen. Man könnte also zusammenfassen, dass an einem heißen Junitag die Strasse einem Gewimmel aus engelhaften und teuflischen Figuren gleicht, die mit wehenden Flügeln bzw. geschwärztem Metallgesicht aneinander vorbeiziehen. Wenigstens fahren dazwischen Autos, so dass man den Blick für die Wirklichkeit nicht verliert...

