Lijiang, 22. bis 28.12.2005 - Weihnachtsferien
Tobi kündigt an, dass er auch an Weihnachten genügend zu arbeiten hat und in Shanghai wohl nicht dazu kommen wird, richtig frei zu machen. Ich finde das nicht richtig und kaufe für uns, Uschi und Rolf Flugtickets nach Lijiang. Lijiang (zu deutsch "schöner Fluss") liegt in der Provinz Yunnan ("südlich den Wolken"), in der Nähe von Sichuan und Tibet, insofern also am andren Ende von China. Nach einem halben Tag Flug mit Zwischenstop in Kunming sind wir dort und können unser Glück kaum fassen. Wir dürfen einen Teil Chinas erleben, der wirklich noch ländlich geprägt ist. Lijiangs ca. 240.000 Bewohner und Bewohnerinnen gehören zu 80 Prozent der Naxi Minderheit an (davon gibt es außerhalb der Stadt und ihrer Umgebung kaum welche), mit eigener Sprache und einem eigenen Schriftsystem. Minderheit, für uns ein recht merkwürdiger Begriff, in China allerdings recht häufig in Gebrauch. Mehr als 90 (95?) Prozent der chinesischen Bevölkerung gehören dem Han-Volk an, alle anderen einer von 55 Minderheiten. Für diese gelten andere Regeln, so dürfen sie z.B. zwei Kinder bekommen. Ein bißchen wie zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Arten.
Zurück zu unserer Reise. Lijiang liegt auf über 2000 m Höhe, in einem Tal zwischen Bergen, die bis über 5000 m ansteigen. Der berühmteste von ihnen der Jade Drachen Schnee Berg, ganzjährig von Schnee bedeckt und als Wahrzeichen dermaßen wichtig, dass es - für diejenigen unter den Reisenden, die nur wenig Zeit zum Aufenthalt haben - eine kleine Nachbildung in einem der Parks am Rande der Innenstadt gibt. Sozusagen, damit auch bei schlechtem Wetter ein hübsches Erinnerungsphoto geschossen werden kann. Der Bedarf an solchen scheint insgesamt ungebrochen. Während westlichen Ausländern daran gelegen ist, vor allem zu Entspannen und ein paar hübsche Bilder von Landschaft und Leuten zu knipsen, muss es für die chinesischen Touristen vor allem eines sein: Aufnahmen der eigenen Person. Hier auf der Brücke, da vor dem Gedenkstein, das Photo mit kleinem westlichen Kind kommt auch immer gut. Ebenso für uns abschreckend das Warenangebot. Dachte man beim Anblick des ersten grünen Wollschals mit rotem Muster noch "hübsch, kann ja mal nachdenken, ob ich den brauchen kann", möchte man im 45.ten Geschäft mit haargenau dem gleichen Exemplar nur noch schreiend weglaufen. Von wegen Handarbeit. Wir finden doch ein paar schöne Mitbringsel: ein Glockenspiel (mit 11 Tönen bzw. Glocken) und einige Leckereien: Yakfleisch, San Qi (vom Wörterbuch recht unzureichend mit Pseudo Ginseng übersetzt) und tibetischen Safran, außerdem getrocknete Ameisen als Hausmittel gegen Rheuma.
































Wer sich nun fragt, was denn aus Weihnachten geworden ist, dem sei gesagt: das Beisammensein war wichtiger. Klar gab es für Moritz ein paar feine Geschenke, die Puppe Paul zum Beispiel, Wachsstifte und ein Kinderrucksack. Aber das kann alles nicht mit dem nachmittäglichen in der Sonne auf der Terrasse des Hotels sitzen und selbstgebackene Weihnachtsplätzchen essen mithalten. Wir haben köstlich gegessen und so viele schöne Orte gesehen, das ist mehr Geschenk als alles andere. Und Moritz, der konnte (fast immer) nach Herzenslust Blätter in einen der vielen Kanäle, Flüsse und Seen werfen, den Goldfischen zuschauen, und Steine sortieren. Kinder, was geht es uns gut!