Shanghai, 10.02.06 Laternenfest
Mal was ganz neues. Erstmal was geschrieben und dann erst die Bilder bearbeitet. Aber es gibt ja auch so viel Neues. Moritz geht in den Kindergarten, das ist doch durchaus eine schriftliche Notiz wert. Sunrise Montessori heißt die feine Einrichtung, und sieht ein wenig aus wie die Villa Kunterbunt. Moritz weint bei meinem morgendlichen Verlassen schrecklich, im Kanon mit Birte (Julia hat es sich schon fast wieder abgewöhnt), ist aber trotzdem angetan. Jedenfalls antwortet er auf die Frage, ob er denn morgen wieder in den Kindergarten gehen würde, mit einem entschiedenen "Ja". Der Lerneffekt ist gleich am ersten Tag zu bemerken. "Moritz, mußt du eine neue Windel haben?" "No, No, No!" ertönt es prompt. Die Dreisprachigkeit läßt grüßen. Um dem Kind, wie Hartmut es so schön ausdrückte, trotzdem die Sprache Goethes und Schillers nicht vorzuenthalten, schleppe ich es weiterhin zum Krabbelgruppentreff, und in den Park geht es mit Julia und Birte auch. Was Moritz in dieser Woche allerdings nicht in den Kram passt. Wenn schon vormittags Kinder, dann bitte nachmittags seinen Frieden, mit der Mama und am besten zu Hause.
Das Laternenfest. Ich erinnere mich an meine eigene Kindergartenzeit, wir basteln irgendetwas ganz Tolles, was dann so aussieht, dass die Kindergärtnerinnen eigentlich schon alles vorbereitet haben, dann unter den Augen ihrer Schützlinge die letzten Züge am Werk tun und zu guter letzt damit beschäftigt sind, die Kinder davon abzuhalten, sogleich nach der Fertigstellung alles mutwillig zu zerstören. Oder so ähnlich. Wir Mütter (nein, es ist kein Vater dabei) basteln also vorgefertigte Laternen zusammen und (da können die Kinder doch mitmachen) formen Klebreisklösschen und füllen sie mit Sesam. Es ist dabei so laut und lustig, dass ich leider die Geschichte dieses chinesischen Festes nicht mitbekomme. Jedenfalls findet es am ersten Vollmond nach Neujahr statt, was dann wohl am Wochenende so weit sein wird.


Shanghai, 11.02.06 Wochenende
Dieses Wochenende schreiben wir Geschichte, denn es ist das erste Wochenende seit unsrer Rückkehr nach Shanghai (oder... seit wann eigentlich?), an dem Tobi weder ins Büro fährt, seinen Computer anfasst noch sonst irgendwie arbeitet. Das ist besser als Ferien! Moritz nutzt die Gelegenheit und kocht mit dem Papa Salat aus weißen Bohnen.

Wir machen einen Stadtspaziergang durch Hongkou, das Stadtviertel, das durch sein Judenghetto bekannt wurde. Nach 1937 siedelten sich dort über 20.000 Juden an. Von der modernen Stadtentwicklung zeigt sich das Viertel noch relativ wenig beeinflußt, insofern genießen wir einen hauptsächlich durch schöne Altbauten geprägten Weg. Leider, bemerkt unser Reiseführer, bedeutet das wohl, dass sich in den nächsten Jahren hier viel ändern wird, da neben der Synagoge einzig der im 18. Jahrhundert errichtete Xia Hai Tempel unter Bestandsschutz gestellt ist.






Shanghai, 15.02.06 Aquarium
Tobi nimmt sich einen nachmittag frei und wir besuchen gemeinsam mit Moritz das Aquarium. Die fleißigen Leser und Leserinnen werden sich erinnern: hier haben wir letztes Jahr beeindruckende Tunnel und einen einsamen Pinguin in einer Schneelandschaft aus Pappmachée angetroffen. Moritz ist sichtlich angetan, auch von der dortigen Hai-Sonderausstellung. Viele ziemlich kleine und einige recht große Exemplare sind zugegen.


Den Namen der possierlichen Tierchen habe ich vergessen, aber nicht ihre Eigenart. Diese Fische pressen ihre Lippen aufeinander und küssen sich, ein Verhalten, das mit steigendem Alter abnimmt. Ähnlich dem Menschen?






Shanghai, 05.03.06 Fickende Fische und Frühlingsanfang
Das Tief ist überstanden. Moritz hat sich (nach zwei Mal Aussetzen wegen Virusgrippe) endlich mit dem Kindergarten angefreundet. Sein Asthma hat sich mit Abklingen des Hustens ebenfalls verabschiedet. Und der Frühling ist endlich, endlich da, nach sehnsüchtigem Warten. Noch dazu kommt Tobi morgen nach zwei Wochen Thailand und Singapur wieder nach Hause! So viel Glück auf einmal nach einer langen Durststrecke, kaum zu fassen.
Außerdem habe ich einen hübschen (und zugleich deutschen!) Film angeschaut, der mich zu Tränen gerührt hat. "Fickende Fische" der Titel, zuvor nie was davon gehört, aber natürlich auf dem chinesischen Raubkopienmarkt erhältlich. Wenn er euch in der Videothek begegnet: ich fand ihn sehenswert.
Bangkok, 22.02.06 Tobi ist zum Arbeiten in Bangkok









Singapur, 26.02.06 Tobi ist zum Arbeiten in Singapur









Bangkok, 2.03.06 Tobi ist zum Arbeiten zurueck in Bangkok



Shanghai, 14.03.06 Medienkind
