Shanghai, 11.05.2006 Hedda und Riki im botanischen Garten




Shanghai, 18.05.2006 Von Wohnungen, Straßenverkehr und anderen Herrlichkeiten
Lange habe ich mich nicht mehr über unseren alltäglichen Kampf hier ausgelassen, dem möchte ich nun endlich wieder mal einen Eintrag widmen.
Zum einen gibt es eine herrliche Geschichte über Verkehrserziehung. Riki beschloss an einem ganz gewöhnlichen Tag, mal wieder mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren (Tobis Büro, wohlgemerkt, ich arbeite ab und an für den Büropartner und Architekten). Um nicht sogleich die Nerven zu verlieren, habe ich beschlossen, mich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen und eventuelle halsbrecherische Manöver anderer Verkehrsteilnehmer einfach zu ignorieren. Ein guter Vorsatz, der immerhin bis zur ersten Straßenkreuzung von mir eingehalten werden konnte. Hier nahm sich - das ist auch durchaus üblich - ein Fahrradfahrer die Freiheit, eine rote Ampel zu überqueren. Leider hatte er den Verkehrshelfer auf der gegenüberliegenden Seite nicht bemerkt.Nun folgte das Unglaubliche. In Deutschland würde man erwarten, das hätte den guten Mann wenn schon nicht den Führerschein,dann wenigstens einige Geldscheine gekostet, außerdem eine Predigt über selbst verschuldete Verkehrsunfälle. Das hätte ihnvielleicht dazu gebracht hätte, sein Tun zu überdenken und beim nächsten Mal anders zu handeln. Was aber fordert der Verkehrs"helfer"? Er zwingt den armen Mann, noch in der gleichen Ampelphase (also bei rot) die Kreuzung zu überqueren um sich wieder an seinen alten Platz zu begeben. "Die Verkehrshelfer sollen die Shanghaier Bevölkerung bis zur Expo 2010 lehren, wie man internationale Verkehrsregeln befolgt." Na, dann!
Zum anderen habe ich mir die wagemutige Aufgabe gestellt, eine neue Wohnung für uns zu finden. Ich habe mir keine Hoffnungen gemacht, einen Makler getroffen, mit ihm Wohnungen angeschaut und ihn danach zu uns nach Hause eingeladen, um ihm genauestens zu erklären, was ich will und vor allem auch, WAS ICH BESTIMMT NICHT WILL. Ich habe ihn ein zweites Mal getroffen, und obwohl ich mir wieder keine Hoffnungen gemacht habe, habe ich mich masslos geärgert. Ich hatte mir wirklich eingebildet, ich hätte klar ausgedrückt, was mein Stil ist. Und trotzdem gab es Wohnungen gegenüber des Xiangyang Marktes (der wird nächsten Monat abgerissen) in der 6. Etage (also höchst mückenfreundlich) mit Kronleuchter, goldrandverziertem Barocksofa und 3D Engelchen in die Badezimmerfliesen eingearbeitet zu bewundern. Nur der Engel hätte gereicht, die Wohnung abzulehnen.
Sonst ist alles prima. Moritz beginnt, Twinkle twinkle little Star zu summen, und sein Wortschatz hat sich enorm vergrößert. Die Sprache Goethes und Schillers ist vertreten mit Ja und Nein, auch! Eis, Bonbon, Fisch, Ei, Ball und Kran, neuere Errungenschaften sind nass (wie es eben ist, wenn man eine Rutsche nach dem Regen hinunterrutscht) und kalt (Moritz bevorzugte Art, sich zu duschen). Außerdem mal(en), Blume, Bau(m) und Fu (Aufzug/Zug). Bus klingt immer noch mehr wie ba-ssi. Auch gut, wir freuen uns über alles. Im englischen kann er no, no, no (mit erhobenem Zeigefinger, so geht es nicht!) sowie byebye.
Hier noch ein kleiner Ausflug in seinen chinesischen Wortschatz: bu yao (das brauch, will, muss ich nicht), bu xiang chi(ich will (das) nicht essen), mei you (weg), mei shi (das macht nix), huai le (kaputt/ funktioniert nicht), xia yu le (es regnet), hai yao/ you (will mehr), xing xing (Sonne, Mond, Sterne), paopao (Seifenblasen), huang (gelb), dao (Messer), tang (heiß), (da) kai (aufmachen), pa (klettern), shui (Wasser, Milch, Saft,Suppe), pa (Angst haben, z.B. vor Autos oder Hunden), tengteng (tut weh), mai (kaufen), bao (Tasche), ting (stop), hua (Blume), xie (schuhe), xiexie (danke), Ku (traurig, weinen), da (groß), xiao (klein), che (Fahrzeug), da diao che (Kran), yu (Fisch), ma (Kuh, Pferd, Esel). Dazu kommen die Tiergeräusche: Wa (Frosch), Oooo (Hahn), Miao (Katze), Ah ah (Hund, wieso auch immer), Gaga (Ente), Mäh (Schaf) und Mmmhh (Kuh). Und diePersonen: Yeye (Opa), Nainai (Oma), Ayi (Tante), Gege (großer Bruder), Didi (kleiner Bruder), Kaka (Oscar) und Yaoyao. Mama und Papa (Baba) sind mehrsprachig!


Shanghai, 21.05.2006 Sonntag


Shanghai, 01.06.2006 Kindertag
Der internationale Kindergarten lädt zum Kindertag ein und kleidet die kleinsten in traditionelle chinesische Anzüge bzw. Qipaos.Die Eltern sowie alle anderen sind entzückt und Moritz so begeistert über die ganzen Komplimente, dass er den roten Dress gar nicht mehr ausziehen will. Außerdem ein Nachtrag zu seiner Sprachentwicklung: neuerdings meistbenutzte Ausdrücke sind Maufu und Maisy, die Helden des Vorabends...





Zhejiang Province, 02.06.2006 Tobi in HengDian und Hangzhou
Viereinhalb Stunden Fahrt sind es von Shanghai in Richtung Sueden bis zu den HengDian World Studios. Mitten in der Provinz freuen wir uns das erste Mal ueber die Kopierwut der Chinesen: dort steht die 1:1 Kopie der verbotenen Stadt aus Beijing, inkl. Interior und allem was man sich sonst vorstellen kann. Zhang Yimo dreht gerade seinen neusten Film, nachdem auch schon Hero hier entstanden war. Und auch wir werden uns die Kulisse fuer einen Tag mieten, um Aufnahmen zu machen.

Hangzhou ueberrascht mit fast westlicher Beschaulichkeit. Vielleicht das einzig ernst zu nehmende Erholungsziel rund um Shanghai.



Shanghai, 04.06.2006 durch die Stadt



Shanghai, 11.06.2006


Shanghai, 22.06.2006 Die Saison der grossen Gewitter beginnt

Shanghai, 24.06.2006 Spielstunde



Shanghai, 2.07.2006 Stuehle ruecken


