Sanya, Hainan, 01.05.2008 Tag der Arbeit
Wir machen es zur Tradition: Sonja, Kilian und Luka treffen sich mit uns in Hainan. Die folgenden Bilder könnte ich auch einfach so zeigen, ganz ohne Worte. Nur eines: Doch schön, die Deutsche Schule macht zwei Wochen Maiferien!






Shanghai, 10.05.2008 Aus der Kühltheke
Seit wir in Shanghai leben, hat sich an der Stadt so manches geändert, die Häuser, die Straßenzüge... eigentlich alles, denn selbst der Verkehr wird von Jahr zu Jahr schlimmer, wenn man das am Anfang auch für nicht steigerungsfähig gehalten hat. Auch Ausländer, vor allem Deutsche, kommen täglich, in Heerscharen. Es werden wohl pro Woche mehrere deutsche Babies hier geboren, Wahnsinn, und die deutsche Schule, vor vier Jahren hatte sie 400 SchülerInnen, jetzt ist es die größte deutsche Auslandschule weltweit mit 850, es gibt Aufnahmestop für einige Jahrgänge! Dies alles bleibt nicht ohne Auswirkungen auf unseren Alltag. Das absurdeste Beispiel dieser Tage ist mir beim gestrigen Einkauf im City Shop begegnet. Vor vier Jahren war hier ein Luxusgut wie Ehrmann Almighurt zu 8 Euro das Glas die Attraktion, und was finde ich heute? Chocolate Chip Cookies im Kühlregal, fertig geknetet, damit man sie in Scheiben schneiden, in den Backofen schieben und frisch gebacken verzehren kann. In den USA verarbeitet, Zutaten wer-weiß-woher, Kostenpreis für eine kleine Rolle 10 Euro. Da fehlen mir schlicht und ergreifend die Worte. Nur soviel für heute: Wäre ich eine Wanderarbeiterin und würde mir so ein Produkt im Supermarkt begegnen, ich würde Moral hin Moral her schleunigst anfangen, Langnasen ihre Portemonaies zu stehlen.








Shanghai, 20.05.2008 Trauerbewaeltigung
Bei uns gibt es Schweigeminuten. Auch in China wurde genau eine Woche nach dem Erdbeben in Sichuan den Tausenden von Opfern gedacht, ganze drei Minuten lang. Nur, dass es sich wenig nach Schweigen anhoert, wenn alle Autofahrenden Shanghais ganze drei Minuten auf ihre Hupen druecken. Es mag schwer durchzusetzen sein, in einer Stadt wie dieser fuer einen Moment die Zeit anzuhalten und Ruhe zu schaffen. Aber deshalb das Gegenteil zu tun und mit noch mehr Laerm alles zu uebertoenen? Mir fehlt es da an Verstaendnis, auch wenn es wohl eine sehr seltene Ehre ist, die zuletzt Deng Xiaoping zuteil wurde. Nach seinem Tode natuerlich.
Am gleichen Nachmittag auf meinem Weg nach Hause hat jemand ein Herz aus Kerzen mitten auf den Buergersteig gestellt, die eigensinnig trotz Wind weiterbrannten. Kein Mensch weit und breit zu sehen, nur Passanten wie ich, die ihren alltaeglichen Dingen nachgingen. Den Kerzen musste man ausweichen: nicht anhalten, aber so doch einen Augenblick innehalten. Das war sehr viel beruehrender als alles andere, die roten Zettel mit den Spendeneinnahmen oder das Hupkonzert. Im Kleinen zeigt es sich da, dass das Leben hier doch nicht so einfach im gleichen Tempo rasant weitergeht...


Shanghai, 31.05.2008 Absurditaeten des Alltags I
Nach so langer Zeit passiert es uns nicht mehr so haeufig, aber es passiert. Die kleinen Augenblicke, in denen man sich deutlich als Nicht-Chinesin fuehlt. Oftmals ruft ein bestimmtes Lebensmittel einen solchen Gedanken hervor, man koennte nicht mal genau beschreiben, wieso, aber man trinkt oder isst und denkt sich "in Europa nicht zu verkaufen": Weisse Schokolade mit japanischem Macha Geschmack zum Beispiel, oder Perlen-Milchtee, dabei schmeckt er wahrlich ganz lecker, manchmal. Letzte Woche war es einfach ein Werbeplakat: trinke Tee von 14 bis 17 Uhr und kriege die Sushi dazu umsonst! Yummi, einen feinen gruenen Tee und dazu dann rohen Lachs in Wasabi: genau was sich unsereins fuer den Nachmittagssnack so ertraeumt. Und (leider war es nicht am gleichen Tag, und auch nicht am gleichen Ort, aber es haette gut gepasst!) der Kellner, der den Kaffee serviert, hat auf seinem Namensschild "Shummi" draufstehen. Chinas beliebteste Deutsche sind also auch namentlich vertreten.
Shanghai, 01.06.2008 Absurditaeten des Alltags II
Am Kindertag hat die Ayi fuer alle Kinder Aufkleber eingekauft. Nur waren es eben nicht Hello Kitty, Winnie Pooh oder Mickey Mouse, unsere Standard-Einkaeufe. Es waren Manga Bildchen. Im 80er Jahre Stil. Kein weiterer Kommentar ausser: Moritz hat sich gefreut. Wirklich!
Shanghai, 04.06.2008 Absurditaeten des Alltags III
Ich erinnere mich noch zu gut an Tobis Kurzbesuch in Deutschland im letzten Sommer: Da war seine Frau durch Rossmanns, Apotheken und Supermaerkte gehetzt um gewisse Produkte in Jahresmengen zu erwerben, die in China entweder nicht vorhanden oder aber schweineteuer sind. Tobi sieht die Stapel und schimpft, so ein Unsinn, das gibt es doch auch in Shanghai, und ich habe wieder zu viel Gepaeck! Nun aber, 10 Monate spaeter, trotz Nachlieferungen diverser Familienmitglieder stehen wir vor einem Engpass: das Shampoo ist alle. Wirklich alle. Das ist tatseachlich um einiges dramatischer, als Fencheltee fuer 3,50 Euro die Packung zu erwerben, denn es bedeutet den taeglichen Kampf mit dem Spiegelbild. Testshampoo 1, Clairol, hat seine Verpackungsdesign geaendert und damit wohl auch die Inhaltsstoffe. Wie fasst Tobi so schoen zusammen, es waescht nicht! Testshampoo 2, Head and Shoulders, waescht schon eher, aber es waescht sich anscheinend nicht aus. Die Haarbuerste faerbt sich beim Buersten weiss, ein zweiter Spuelgang ist noetig. Jetzt haben wir also einen Liter Weichmacher-Shampoo fuer 8 Euro (Grosspackungen sind hier leider sehr ueblich), und gluecklich macht uns das alles nicht. Der auslaendische Friseur bietet leider nur Kombi-Produkte mit Conditioner inklusive. Ach, die schoene Heimat, wie vermisst man dich, wo die weissen Wolken am blauen Himmel entlangziehen und wo den Leuten kein Stroh vom Kopf waechst!
Shanghai, 14.06.2008 Hoher Feiertag!
Mehr als vier Jahre ist es her: Weisser Spargel. Unsere Erwartungen waren recht niedrig, denn dieser hier kam aus der Metro Shanghai. Ebenso die Kartoffeln, die Brunnenkresse, die Bio-Tomaten. Und der importierte italienische geraeucherte Mozzarella. Aber was kam heraus? Das perfekte Mittagessen. Es war herrlich, wunderbar, mit dem Riesling perfekt: zusammenfassend: nicht zu toppen, und leider zu schoen zum wiederholen...
Shanghai, 18.06.2008 Annehmlichkeiten
Tobi kommt einen Abend frueh nach Hause, damit ich mit Laurence ausgehen kann. Wir treffen uns im Garden Books, schlendern noch eine kleine Weile durch die umliegenden Laeden, und um neun gibt es feines franzoesisches Abendessen. Das ist schon alles sehr nett so, die spaeten Oeffnungszeiten, aber der wahre Shanghai Bonus ist ein anderer: um halb elf finden wir uns im Dragonfly ein und lassen und den Nacken massieren... um uns dann voellig entspannt im Taxi nach Hause fahren zu lassen. Da macht es nichts, dass es seit Wochen regnet, die Anziehsachen nicht trocknen und die Waschmaschine schon wieder kaputt ist. Es lebe die Grossstadt!
Shanghai, 19.06.2008 Umweltengel
Ich haette das nicht fuer moeglich gehalten. Seit nunmehr zweieinhalb Wochen aber ist es soweit: Plastiktueten kosten in Geschaeften bares Geld, und ploetzlich laufen die Leute mit Mehrweg-Tueten durch die Gegend. (Nicht gerade die Leinenbeutel Version, aber es geht ja ums Prinzip!) China goes green!
