Shanghai, 22.08.08 Taiwan zu Besuch

Shanghai, 12.09.08 Differenzen

Schon lange habe ich nichts mehr zum Thema geschrieben, vielleicht haben wir uns nach vier Jahren einfach an das Meiste gewoehnt. Heute aber ist (endlich mal wieder?) was ausser der Reihe passiert, das ich nicht ganz unerwaehnt lassen moechte. Freitag, letzter Tag der Woche, Kindergarten und Schule sind bereits mittags zu Ende. Der Schulbus faehrt vor, alles wie immer, fast. Ein Maedchen stuerzt sich heulend in die Arme der Mutter. Ein weiterer Junge bricht in Traenen aus, als er sieht, dass seine Mutter noch nicht da ist. Verwirrung auf Elternseite. "Die haben einen Film gezeigt, und ich hatte so Angst!" Nachfragen bei der Bus-Ayi. Ja, ja, wir haben ferngesehen (aha, es gibt einen Fernseher?!), ja, es hat wohl ein Kind geweint, aber die anderen, die haben sich doch so gut amuesiert! Ja, aber, wieso hat denn ein Kind geweint? Was gab es denn im Programm? - Meine Gedanken wandern zum DVD Laden um die Ecke, der auf Nachfrage, wo denn die Kinderfilme stehen, als erstes auf die grosse Auswahl an Simpsons verweist. Der Fahrer verteidigt sich: aber es war doch gar kein Terror-Film! Sind denn die deutschen Kinder so verweichlicht? Mittlerweile sind die meisten laengst nach Hause gegangen, ich frage also Moritz: Was habt ihr denn fuer einen Comic geschaut? (Comics werden hier automatisch als 'fuer Kinder' eingestuft, auch wenn es sich um Mangas handelt, ich war also sicher, es war etwas in diese Richtung) Moritz fasst zusammen: "Also, das war kein Comic, da waren bloss boese Maenner, die haben nur Quatsch gemacht, mir hat das nicht gefallen, aber unsere Bus-Ayi, die fand das gut!" Empoerte Anrufe bei der Schule folgen, denn von Fernsehen im Bus war nie die Rede. Schon gar nicht Filme, die das Bus-Personal persoenlich aussucht. Erst am naechsten Schultag kommt dann die Aufloesung der Materialfrage. Der Film war X-Men, ab 16 Jahren freigegeben, heldenhafte Mutanten, die gegen eine starke Terror-Organisation bestehen muessen. Das zum Thema kindgerecht!

Shanghai, 13.09.08 Mondfest

So schnell sind die Wochen in Deutschland verflogen und WATZ! sind wir schon wieder zurueck in Shanghai. Und widerum WATZ! sind auch schon zwei Wochen Kindergarten rum und die ersten Ferien da, passend zum Mondfest. Es moegen sich manche an unser erstes Mondfest hier erinnern, Nana kam zu Besuch, wir haben Tonnen Mondkuchen gefressen und der Vollmond leuchtete gross ueber einem recht feurigen Hot Pot Essen. Vier Jahre spaeter ist nicht viel vom Fest und den zugehoerigen Illusionen geblieben: die Mondkuchen haengen uns sowieso bereits zu den Ohren raus (ich habe munkeln gehoert, beim Mondfest geht es hauptsaechlich darum, moeglichst viele der gratis erworbenen und haeufig recht fiesen Dinger weiterzuverschenken, wer darin nicht gut ist, bleibt sitzen und muss folglich alles aufessen...), und vom angeblich so runden Mond ist dank hochsommerlichem Feucht- und Truebwetter aber auch kein noch so blasser Schimmer zu sehen. Ein Glueck, statt dessen leuchtet der neue Flaschenoeffner am Himmel! Und es gibt den neuen Batman Film an der Strassenecke...

Ziegen fuettern, Shanghai Zoo

Shanghai, 18.09.08 Grossstadt-Wahnsinn

Das ist Shanghai: Um zehn nach sieben in den Schulbus steigen, um acht in der Schule ankommen. Um zehn nach acht in den naechsten Schulbus steigen, um neun Uhr endlich am Ziel ankommen (das haetten wir auch in einer halben Stunde von zu Hause aus erreicht). Mit einem Aufzug fahren und sich auf einer riesigen Bruecke ueber den Huang Pu wiederfinden. Mit fuenfzehn Kindergartenkindern viele viele Stufen steigen, um von einem Plateau aus auf die Stadt hinabzublicken. Und wieder hinabzusteigen. Und wieder Schulbus zu fahren... Geht es noch besser? Ja. Nach drei Stufen kriegt Moritz Panik, er hat Angst vor der Weite, der Hoehe, und der fehlenden Absicherung. Wir fahren also mit dem Aufzug wieder runter, bevor alle anderen ueberhaupt oben angekommen sind. Aber: es war ein Ausflug, wir haben viel gelacht, und seit dem Tag heisst die Holzeisenbahn-Bruecke natuerlich: die Lupu-Bruecke. Das ist doch was!

Haibao und wir

Shanghai, 19.09.08 Milch

Jeden Tag gibt es Neuigkeiten, und es wird nicht gerade besser. Es ist ein schwacher Trost, dass wir seit Jahren nur neuseelaendische H-Milch trinken, japanischen Joghurt den lokalen Marken vorziehen, und bei Milchpulver hollaendischem Import vetrauten. Bei einem solchen Ausmass an Katastrophe schlaegt die Haeme - 'haben wir es uns doch die ganze Zeit gedacht' - zurueck, mit voller Wucht: ins eigene Gesicht. Ich fuehle mich schaendlich privilegiert, die Wahl gehabt zu haben.

Shanghai, 24.09.08 Erziehung

Wir haben lange ueberlegt, in welchen Kindergarten wir die Mia nun schicken. Am Ende wogen die pragmatischen Gruende (der Kindergarten sollte zu Fuss erreichbar sein, damit man sich nicht taeglich auf ein Taxi verlassen muss) staerker als alles andere. Also haben wir sie gemeinsam mit ihrer Freundin Maya im Compound gegenueber angemeldet. Nach drei Tagen hiess es, wir sollten mal noch zwei Monate warten, es seien zu viele kleine Maeuse zum Eingewoehnen (20 etwa Zweijaehrige), das waere fuer die Erzieherinnen eine Zumutung. Drei Tage, die trotzdem schon gereicht haben, mich (wieder mal) ueber den chinesischen Kindergartenalltag aufzuregen. Ein Beispiel: das Mittagessen wird gefuettert, damit aber jeder der Gruppe huebsch stillsitzt, laeuft waehrenddessen der Fernseher. Ein weiteres Beispiel: der Mittagsschlaf. Ruhezeit ist von 12 bis 14 Uhr 30, in dieser Zeit muessen die Kinder im Bett liegen. Welches Kind im Alter von zwei Jahren braucht aber taeglich zweieinhalb Stunden Schlaf? Der Sportunterricht der aelteren Kinder wirkt auf mich militaerisch und erinnert mich sogleich an die (absolut nicht kindgerechten) Auffuehrungen in Moritz Kindergarten, zu denen ich diesmal sicher gar nicht erst gehen wuerde. Meine Vorstellungen von schoen und unterhaltsam sind, sagen wir es vorsichtig, etwas anderer Natur.

Nun treffe ich heute eine chinesische Mutter auf dem Spielplatz, ein Sohn, gleiches Alter. Wir unterhalten uns zwanglos, und sie erzaehlt mir ihre Bedenken gegenueber den nahegelegenen Kindergaerten: dies seien ja alles bilinguale Institutionen, und, nichts gegen das Englisch, aber das Programm seie ihres Erachtens nach viel zu verspielt, da verpasse ihr Kind ja den Anschluss an Gleichaltrige, die mit dem Lernen zu Schulbeginn bereits sehr weit fortgeschritten seien. Lesen Schreiben Rechnen, Malen Klavier Tennis: Nachtigall ick hoer dir trapsen. Das Miteinander foerdern anstelle des ewigen Wettbewerbs "Wer wird Klassenerster?" kommt dem allgeimen Chinesen beim Nachdenken ueber sein Zweijaehriges (!) kaum in den Sinn.

Das Ende vom Lied: Wenn es an die Abschlusspruefungen der Oberstufe geht, springen in Shanghai jedes Jahr einige Jugendliche aus dem Fenster, die dem Druck einfach nicht standhalten koennen. Und der Neffe unserer Ayi, was macht er aus seinem Leben nach einer so glorreichen Ausbildung? Er verkauft Hundewelpen.

Shanghai, 01.10.08 Purzeltag

Leider war Moritz in der Nacht zuvor krank geworden, und so mussten wir alle kleinen Geburstagsgaeste wieder ausladen. Dafuer gab es aber einen sehr (!) speziellen Geburtstagskuchen fuer Mia, den ihr Papa extra aus Suedkorea mitgebracht hat. Mmmhhh!

Auf dem Weg zum Schulbus

Shanghai, 09.10.08 Kinderparty

Um die Maeuse doch noch gebuehrend zu feiern, haben Marie und Mia zusammen eingeladen, 2x2 Jahre, mit 2x2 Gaesten!

Schokokuchen

Tine und Marie

Geburtstagstisch

Shanghai, 30.10.08 Im Rueckblick

Der Beginn des Besuches von Uta, Ralph und Benedikt glich einer nicht enden wollenden Katastrophe: vom Kinderwagencrash ueber einen Nachmittag Krankenhaus bis hin zum Ausloesen der Alarmanlage und der folgenden Familiengrippe, die eine Reise ausserhalb Shanghais unmoeglich gemacht hat. Aber Katastrophen gibt es in der Welt gerade genug, erinnern wir uns also lieber der schoenen Seiten: z.B. an ein Tobi, der viel zu Hause ist. Oder an viel viel Zeit zum Klokoenig lesen, zum Einsenbahnstrecken bauen und zum Streitgespraech "Meine Mama" - "MEINE MAMA!" - "NEIN!!! MEINE MAMA!" Die vielen chinesischen Mahlzeiten. Und ein Wetter, bei dem man ein kuehles Bier am Abend noch gerne getrunken hat. Schoen war das!

Uferpromenade

Aquarium

Oriental Pearl

Vorlesen

Miss Ginger

Taikang Lu

Stadtspaziergang

Pudong, neue Skyline

Eisenbahn!

Es gibt sie noch, die Schlafanzuege!

Im Hintergrund

Chinesischer Strand, Sheshan

Blau

Rot

Rot und Blau

World Financial Tower von der Spitze des Jin Mao aus

Geburtstagskind

Regenwetter

Shanghai, 31.10.08 Halloween

Im Compound von Moritz Freund Timmy habe ich bei einem US-amerikanischen Festtag ein Stueck Heimat wiedergefunden. Als Drachen, Giraffe und Loewe verkleidet sind die Kids von Haus zu Haus gezogen, haben an den Tueren geklingelt und "Trick or Treat!" geschrien, um mit Kuerbissen voller Suessigkeiten stolz zurueckzukommen. Und woran denke ich? An viele viele Jahre St. Martin in Richterich, wo es zwar keine Verkleidungen, doch aber Laternen gab, auf jeden Fall den gleichen schoenen Vorstadtcharakter wie hier...

Happy Halloween

Shanghai, 7.11.08 Film Nr. 36

Das haette ich mir in Deutschland auch nicht traeumen lassen, dass vier Jahre in Shanghai bedeuten wuerden, vier Jahre (!) nicht ins Kino zu gehen... Natuerlich habe ich umso mehr Filme in der Zeit geschaut, aber eben: auf DVD. Nun kam mal wieder ein Bond in die Kinos, der in der Kritik nicht allzu glorreich bewertet wurde, der aber sicher mit genuegend Spezialeffekten ausgestattet sein wuerde, um auf Grossleinwand sehenswert zu sein. Und eine einmalige Chance: wenn es im chinesischen Kinoprogramm nicht einmal 007 geben wuerde, was bitte dann? Ich habe also enthusiastisch zum Telefon gegriffen und beim naechsten Kino angefragt. "007, zeigen sie das?" - "Ja." Volltreffer, wie schon erwartet. "Um wieviel Uhr denn am Abend?" - "Na, also, um 17:20, um 17:35, um 17:50, 18:10, 18:25 ..." Hmmmm. Ob die Dame mich wohl verstanden hat? "Das heisst also, der Film laeuft dauernd?" - "Ja." Und wir hatten uns eingebildet, Kino sei fuer die meisten Leute viel zu teuer und keiner wuerde hingehen... Um 18:15 stehen wir an der Kinokasse und sind irritiert. Saal 1, Saal 2, 3, 4, eigentlich in allen 7 oder 8 Saelen laeuft - James Bond. Um 18:30 sitzen wir mit einem Eimer Popcorn und zwei Coca-Cola im Sonderpaket fuer 15 Euro in dem groessten Saal, mit etwa 20 anderen. Der Film laeuft also staendig, aber trotzdem geht keiner hin? Sehr merkwuerdig. Dann aber, gleich nach der Werbung, des Raetsels Loesung. Chinas Regierung begruesst uns mit dem Film Nr. 36/2008. Es ist November, und der 36. in China zugelassene auslaendische Film laeuft an, das ist nicht einmal ein Film pro Woche! Da ist die Auswahl beim DVD Laden doch durchaus groesser... In dem Sinne: es lebe die Raubkopie!


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