Jinlong Bay, 06.09.09 Strand in Shanghai?
Ein Glueck, dass es in Shanghai in jedem September neue, motivierte Zugezogene gibt, die vor Eifer nur so spruehen, neue Orte kennenzulernen! Uta und Winand, die Eltern von Max und Finn, haben einen Strand ausfindig gemacht, kuenstlich aufgeschuettet und angeblich mit gefiltertem Meerwasser, und wir machen uns alle zusammen am Sonntag morgen zum ersten Man seit langem auf zu einem richtigen Familienausflug. Im Sueden liegt die Bucht des goldenen Drachen, und die naehere Umgebung ist gleich richtig vielversprechend, eine chemische Entwicklungszone! Wir geben aber nicht gleich klein bei und nach einer Weile haben wir den Strand auch gefunden. Unglaublich, ein Strand, stadtnah, und lauter badende Chinesen! Da kann man verschmerzen, dass auch hier Langnasen ueber den Tisch gezogen werden, und wir 10 Euro fuer die Miete eines Sonnenschirms zahlen muessen...


Shanghai, 12.09.09 Friseur
Schon seit laengerem hatten wir mit Mia Diskussionen ueber ihre Haare "Mia, wenn du die Haare nicht waschen willst, muessen wir sie alle, alle abschneiden! Das willst du doch nicht, oder?" - "Doch, alles ab, will ich nicht waschen!". Am Freitag (man muss dazu sagen, es ist immer noch sehr warm hier) kam sie dann selbst auf die Idee, man koenne doch nun mal endlich etwas abschneiden. Ich habe brav ihre Schere geholt, zapp, zwei oder auch drei Zentimeter abgeschnitten. "Mehr, will noch mehr abschneiden!" Ich habe ihr freundlich erklaert, dass ihr Papa Ponyfrisuren nicht leiden kann, und dachte, dass Thema sei damit erledigt. Fuer mich ja, nicht aber fuer Mia.
Samstag, Tine und Knut wollen mit Baby Anne zu Besuch kommen, wir kochen mittag. Die Kinder sind friedlich und spielen gemeinsam im Kinderzimmer. Ich verlasse die Kueche, und mich begruesst im Wohnzimmer eine einzelne, lange Haarstraehne... gefolgt von einer weiteren langen Haarstraehne, einen halben Meter weiter hinten, gefolgt von einer weiteren... Schlimmes ahnend (Mia schneidet sich gerade selbst eine Glatze) stuerme ich das Kinderzimmer. Mia liegt giggelnd unter der Bettdecke, Moritz hat die Bastelschere in der Hand und strahlt "Jetzt ist die olle Gardine endlich ab!" Alle sind also gluecklich, was bleibt zu sagen? Moritz ergaenzt "Und ausserdem sieht sie jetzt viel besser aus, wie ein richtiger kleiner Bruder!"



Taipei, 20.09.09 Hochzeit
Acht Jahre sind vergangen, ein scheinbar anderes Land begruesst mich, und trotzdem, trotz fuenf Jahren auf dem Festland, ueberkommt mich zurueck in Taiwan ein ungewoehnlich starkes Gefuehl von Rueckkehr in die Heimat. Kuang-ting und Yingzhu heiraten, und waehrend Tobi durch Europa eilt bin ich fuer einen Tag und eine Nacht alleine in Taipei, was gerade einmal eineinhalb Flugstunden von Shanghai entfernt liegt. Welten liegen dazwischen. Natuerlich ist die Situation nicht zu vergleichen, da die sprachliche Barriere nicht mehr existiert, aber was mich viel staerker beeindruckt: es mag hier anders zu gehen als in Deutschland und Europa, aber dieses "anders" manifestiert sich viel weniger stark in den Umgangsformen. Konkret heisst das, die Menschenmassen in der U-Bahn bewegen sich fliessend, ganz ohne zu Draengeln steigen sie ein und aus, stellen sich fuer die Rolltreppe an. Das moegen nur kleine Beipiele sein, aber im Grossen bedeutet das fuer mich: ich habe ploetzlich gar keinen Grund, mich staendig behaupten zu muessen oder mich schlicht und einfach permanent zu aergern, ein herrliches Gefuehl!
Es ist September, und sehr warm in Taiwan, das subtropische Klima ermoeglicht es, dass aus jedem noch so kleinen Blumentopf am Strassenrand die tollsten Gruenpflanzen spriessen. Es mag eine Metropole sein, doch auf mich wirkt alles wunderbar kleinteilig und uebersichtlich: die dunkelgruenen Berge, die Taipei umgeben, sind (mit Ausnahme des 101 vielleicht?!) immer noch das Hoechste, das mein Auge erblicken kann.






Seit Jahren habe ich gejammert, dass ich nie bei Hochzeiten eingeladen bin und folglich keinen Grund habe, mich mit schicken Abendroben einzudecken. Nun ist die perfekte Gelegenheit da, eine echte chinesische Feier! Zu meinem Glueck gehoert zum Status, dass die Braut mindestens in drei verschiedenen Kleidern auftritt (und dazu drei verschiedene Frisuren traegt), so kann ich wenigstens zwischendrin mit dem Braeutigam ein Schwaetzchen halten... und mich nebenher freuen, selbst dieser in Asien anscheindend riesigen Industrie entronnen zu sein! Der ganze Trubel nimmt schnell ein Ende, die Getraenke werden von den Tischen genommen, damit sich bloss jeder fuer ein anstaendiges Gruppenbild anstellt, ich bin erst ein wenig enttaeuscht, dann aber geniesse ich den weiteren Abend mit De-rung auf dem Nachtmarkt, Klimbim einkaufend, wundervoll.










Shanghai, 01.10.09 Grosses Maedchen






Shanghai, 15.10.09 Stadtspaziergang
Im Dezember 2007 bin ich schon einmal die Sichuan Road lang spaziert, mit Uschi, Rolf, Tobi und den Maeusen. Jetzt wollte ich wissen, wie sich die Gegend ohne Hochstrasse so macht, und siehe da: ein wunderbar offener Blick Richtung Pudong tut sich auf - es bleibt zu hoffen, das Potenzial wird genutzt und aus der Grossbaustelle ein oeffentlicher Platz gemacht: schoen waere das! Karin und ich stolpern an eben jener Strassenecke ueber eine mir bis dato unbekannte Perle: das Naturkundemuseum. Die Raeumlichkeiten ehemals prunkvoll und erhaben, aber lange nicht renoviert, aus Einzelknochen zusammengesetzte Riesendinosaurier und eine unglaubliche Menge ausgestopfter Tiere entschaedigen fuer ueberalterte Ausstellungen mitsamt echter Embryonen in Einmachglaesern. Ein grosses Plakat klaert uns ueber die verschiedenen Voelker dieser Welt auf: in Nordeuropa wohnen demnach hellhaarige blauaeugige grosse Menschen mit ausgepraegt langen, schmalen Nasen... Am Ende folgt eine Entschuldigung, dass bisher fuer eine Ueberarbeitung kein Geld dagewesen sei, die Ausstellung sei seit 1972 nicht veraendert. Es waere spannend, wie man heute mit den Inhalten umgehen wuerde!











Shanghai, Herbst 09 Schoenwetterfront
Der Herbst meint es gut mit uns. Annette, Heiner und Birte kommen zu Besuch, ausserdem Jessica, und noch dazu ist wochenlang absolutes Traumwetter. Blauer Himmel, ueber 20 Grad, Sonnenschein.












