Shanghai, 18.11.09 Volkserziehung

Vor einigen Wochen gab es ein kleines Praesent unseres Compounds, wahrscheinlich eine Stiftung der Stadtregierung an ihre Buerger zur baldigen Expo. Fanny nannte es zurecht ein Zeitdokument, bloss bedrucktes Papier, aber an Wert kaum zu ermessen. Es handelte sich um ein Skat-Spiel, und um eine Packung Taschentuecher. Die Taschentuecher waren bedruckt mit der Botschaft "ein gesundes, sicheres Lujiazui (so heisst der Bezirk, in dem wir leben)". Die Skat-Karten-Verpackung zeigte das Motto der Expo, in englisch "better city, better life", direkt aus dem chinesischen uebersetzt "Stadt - macht das Leben noch besser". (Jetzt goenne ich mir eine kleine Pause, damit ihr selbst nachdenkt, wofuer das wohl gut sei?!) Die Aufklaerung fuer die unwissenden Fremdlinge folgte mit der Oeffnung des Spiels, die Skat-Karten waren naemlich nicht bloss schnoede Skat-Karten, sondern zum einen mit Gebaeuden der Expo bedruckt, zum anderen mit Botschaften zur Volkserziehung.
Als Kennerin zumindest der einfachen chinesischen Zeichen sind mir diese Botschaften sehr gut bekannt, an oeffentlichen Plaetzen, in der U-Bahn, an Kreuzungen oder auch an Info-Tafeln der einzelnen Compounds angebracht, ist es hier voellig normal, von der Polizei aufgefordert zu werden, als kulturell gepraegter Mensch nur bei gruen die Strasse zu ueberqueren oder auch mal (das war originell) einen Loeffel geschenkt zu bekommen, der anzeigt, wieviel Salz eine dreikoepfige Familie bei der Zubereitung einer Mahlzeit hoechstens verwenden sollte. Trotzdem, dieses Kartenspiel hat all diese Aufforderungen getoppt, vielleicht gerade weil es eine Zusammenfassung ist, noch dazu wenn man die herrliche Marketing-Strategie bedenkt: das ganze auf Kartenspiele drucken zu lassen, die hier im Alltag eine sehr grosse Bedeutung haben, besonders bei der breiten Masse. Ich habe Traenen geweint bei der ersten, bei der zweiten und heute bei der dritten Betrachtung, insofern habe ich mir die Muehe gemacht, Euch eine Zusammenfassung zu geben.
Der groesste Anteil nimmt die Verkehrserziehung ein. 12 Karten (von 40, der Rest Bildkarten). Meine Lieblingskarte (leider nur einmal vorhanden) "Wenn ein Fahrzeug abbiegt, soll es erst die Fussgaenger hinueberlassen", sechsmal "Beachte die Verkehrsregeln", davon viermal "Achte auf die Ampel" (in verschiedenen Textversionen, z. B. "Achte Verkersregeln, bei rot stehen, bei gruen gehen" oder "Renne nicht kopflos auf die Strasse, achte auf die Sicherheit") ebenso viermal "Streite dich nicht um Sitzplaetze und gebe deinen bei Bedarf an Beduerftige ab" und einmal "Fahre kultiviert, hupe nicht grundlos".
Der zweitgroesste Anteil geht an Umweltverhalten, das Stadtgruen soll sauber gehalten werden, indem man Muell in die aufgestellten Tonnen wirft und Reinhaltung oeffentlicher Orte als Volksaufgabe sieht.
Bleiben huebsch aufzuteilen fuenf Stapel mit je vier Karten zu den Themen Lautstaerke "Denke bei (Telefon-) Gespraechen an Beeintraechtigungen fuer deine Mitmenschen"), Kleidung ("Geh nicht in Schlafanzug und Pantoffeln auf die Strasse"), Tierhaltung (hier wird aber nichts kritisches thematisiert wie z. B. wenn du ein Tier kaufst, kuemmere dich auch darum), Gesundheit ("Rauche nicht und treibe lieber Sport") und -wie soll ich es nennen- Mundhygiene ("Behalte deine Bakterien, deine Spucke, deinen Rotz und deinen Kaugummi fuer dich oder: behalte ein Taschentuch fuer die Entsorgung bereit"). Hier also kommen die Tuecher ins Spiel, die im Paket gleich enthalten sind.
Man stelle sich vor, solche Karten wuerden von der Berliner Stadtregierung herausgegeben, vielleicht gedruckt auf Gratis-Fahrscheine der BVG, was fuer Botschaften wuerde es geben? Und welchen Volksaufstand wuerden sie ausloesen? Ich denke da nur an "Trenne deinen Muell, schmeiss kein Glas in Papier" oder "Fahre nicht schwarz, zahle deine Steuern". Noch besser "Geh nicht in die Bar, gehe lieber ins Museum", "Iss keine Chips, koch doch lieber Kartoffeln!" oder "Schau nicht fernsehen, spazier lieber durch den Park". Wo saehe unsere Regierung den hoechsten Handelsbedarf?
Wieso ich gerade heute dran denke? Ich habe heute zum ersten Mal seit fuenf Jahren in einem Taxi gesessen, das hinten Anschnallgurte bereit hielt. Ein kleiner Unterschied, aber zugleich ein grosser Schritt in Richtung einer sichereren Stadt... Wir bleiben gespannt, was die Expo sonst noch so bringt!





Beijing, 12.12.09 Die Hauptstadt von China
Die letzte Gelegenheit ist gekommen, Sonja zu besuchen, die zu Weihnachten nach Deutschland zurueckgeht. Noch dazu leben wir seit fuenf Jahren in China, und da ist es an der Zeit fuer Riki, Moritz und Mia: die grosse Mauer endlich auch zu sehen! Ein Familienausflug, weit weg vom Alltag.








































Shanghai, 24.12.09 Weihnachtsgeschenk...
Dieses Jahr gibt es passend zu Weihnachten wirklich schoene Photos fuer euch. Wir wuenschen unserer ganzen Familie und allen Freunden friedliche und gesegnete Tage, Sonnenschein und blauen Himmel, Gesundheit und nicht zuletzt viel Liebe fuereinander.









