Shanghai, 19.03.2010 Lilong Spaziergang
Fanny erprobt mit uns eine Spadtfuehrung, die gleich an unserer ehemaligen Wohnung in der Shaanxi Lu beginnt, und am Xintiandi endet. Beeindruckend, wie sehr sich die alte Nachbarschaft veraendert hat!







Shanghai, 02.04.2010 Osterausflug
Moritz wuenscht sich, endlich mal wieder in ein Gewaechshaus zu gehen. Wir machen uns also am Karfreitag auf in den Botanischen Garten, jetzt hoechst praktisch mit der U-Bahn zu erreichen. Die Kirschen bluehen, die Sonne scheint. Ich bin irritiert ob der Menge Muell, die die anderen Besucher, zumeist Schulklassen, auf Wegen und Wiesen, praktisch ueberall fallen lassen. Florian aber hat eine andere Erklaerung: "Wooaaahh, der Osterhase hat soooo viele Geschenke gebracht, das haben die anderen Leute alle schon aufgegessen!" Ein Glueck, wir finden auch noch einige Schokoladeneier zwischendrin, die von den chinesischen Kindern wohl niemand bemerkt hat... wieso auch, wenn man bereits alle Taschen voller Packungen voller Chips und Kekse gestopft hat?


















Shanghai, 07.04.2010 Das Gesicht wahren?
Unser naechstgelegener DVD Ladenbesitzer steht eines Tages in der Sonne: vor einem Obststand. Hat er das Produkt gewechselt? Nein, er strahlt mich an, winkt mich in den Laden, klappt die Theke hoch und oeffnet eine in die Wand eingelassene Tuer. Dahinter alles wie gehabt, Regale bis unter die Decke vollgestopft mit DVDs, das Angebot gar besser als eh und je! Der naechste Laden, jetzt Jeans und T-Shirts, der dritte in der Reihe bietet Socken und Unterwaesche. Einem von fern angereisten Expo-Besucher faellt so nichts weiter auf, an dem man sich anstossen koennte, die lokale Polizei verdient, und die Laeden laufen auf der halben Flaeche weiter wie gehabt. Willkommen in der Gegenwart!

Shanghai, 15.04.2010 Fast schon ein Schulkind






Shanghai, 23.04.2010 Deutschland aus Sicht der Chinesen
Da kommt nun also die Weltausstellung, und seit einigen Wochen werden die teilnehmenden Laender vorgestellt: auf dem in der Rueckenlehne des Taxi-Beifahrersitzes eingebauten Touchscreens. Lange lange haben wir gewartet, gesucht, immer waren es fuenf kleine Comic-Figuren in traditioneller Kleidung, ein Brasilianer, ein Kanadier, eine Hollaenderin: selbst ein Oesterreicher war laengst praesent (welch Schmach!) und immer noch kein Deutschland. Doch dann, endlich, konnte ich meinen Kindern stolz zeigen: der da, das Maennchen, der repraesentiert die Deutschen! Und da stand er da, ein stolzer Mann mit Schnauzbart, inmitten von drei huebschen Damen: einer Norwegerin, einer Finnin und einer Tschechin, der Rumaene mit seiner Floete blieb dagegen ganz im Abseits. Es haette mich froehlich machen sollen wie die Kinder, denn Herr Deutschland war der einzige der fuenf, der animiert worden war: exakt jede Minute leert er brav ein Mass Bier. Aber wie steht es mit der Identifikation? Wir klicken gespannt die Erlaeuterungstexte...
Clothing: Tracht
The Bavarian national dress of Lederhosen, mens 3/4 length trousers, and ladies Dirndl, the flowery cleavage-enhancing dress, has inspired an entirely new fashion style called Landhausmode.
Festivals: Oktoberfest
A 16 days event held each year in Munich (and around the world) from september to october dates back to 1810 in celebration of crown prince Ludwig I and Therese of Bavarias marriage. It is the worlds largest fair. 6 million+ people attend and consume in excess of 7 million litres of beer, 100 oxen and 500.000 chicken.
Food: Schweinshaxe
Muss ich da noch kommentieren?


Shanghai, 30.04.2010 Expo Spielregeln
Um 9 Uhr morgens klingelt es an der Tuer, es kann weder der Wasser- noch der Brezelmann sein. Es ist der Wachmann: "Machen Sie bitte sofort alle ihre Fenster zu!" Da war sie also, die angekuendigte Expo-Regel Nr. 2 "Bitte schliessen Sie alle Fenster und Tueren zu einer bestimmten Zeit entsprechend der Anordnung des diensthabenden Polizisten." Immerhin, es soll ja fuer die eigene Sicherheit sein, und bei dem Feuerwerk am Abend ist es tatsaechlich vorstellbar, dass einer der Boeller sich auf einen Balkon verirrt und aehnlich wie das allabendliche Flutlicht durch die Wohnung geistert. Leider aber treten damit aber auch die anderen Regularien in Kraft, die es allesamt in sich haben: Regel 1: "Bitte gehen Sie so selten aus dem Haus wie moeglich." Regel 4: "Haengen Sie keine Waesche draussen auf." (Das ist fuer Chinesen etwa so, als wuerde man den Deutschen verbieten, an den Sommerwochenenden in ihrem Garten zu grillen, oder so) Am schlimmsten aber trifft es die vierbeinigen Stadtbewohner mit Regel 7: "Bitte behalten Sie ihre Tiere zu Hause." Ganz nach dem offiziellen Motto: "Better City, better life!"




Shanghai, 04.05.2010 Badezimmer
Die Geschichte unseres letzten Badezimmers war mir zu langwierig zum Aufschreiben gewesen, kurz gesagt, ich hatte von Badezimmerreparaturen schlicht und einfach die Nase voll und hatte gehofft, nie wieder mit sowas zu tun zu haben. (Man erinnere sich: in der Shaanxi Lu wurden alle zwei Monate die Wassertanks geputzt, deshalb gab es ganze Tage kein Leitungswasser, und trotzdem war es hinterher wochenlang gelb-braeunlich. In der Puming Lu regnete es im Bad einmal durch die Decke, weil man das Loch fuer den Ventilatoreinbau bei uns einfach offen gelassen hatte. In Haus 5 hatten wir ueber Monate das Vergnuegen, die Toilette ueber unserer von unten zu betrachten.) In Haus 1 waren zum Glueck nicht wir es mit den Problemen, aber unsere Nachbarin aus der Wohnung darunter hatte im Herbst geklingelt: Sie wollte sich nicht etwa ueber die staendige Laermbelastung beschweren, sondern uns bitten, einen Tag nicht zu baden, weil bei ihr eine neue Wand eingezogen werden sollte- die alte hatte einen heftigen Wasserschaden. Diesen Monat dann platzte ein riesiges Stueck unserer Badezimmerwand knapp ueber dem Fussboden ab, eindeutig ein Feuchteschaden. Wir durften also wieder meinen speziellen Freund, der fuer die komplette Installation des Compounds zustaendig ist, anrufen, der zum Glueck nicht alleine kam, um den Schaden zu betrachten. Dem Kollegen fiel auf, dass die Abdichtung unserer Badewanne voellig hinueber war (und das war sie sicher schon laenger als ein Jahr), waehrend unsere Kinder also froehlich badeten, lief jedesmal alles, was ueber den Rand tropfte (und das war sicher nicht wenig), in die Wand der Nachbarin, seit September wohlgemerkt die NEUE Wand. Jetzt haette man annehmen koennen, dass man bloss die Wanne rausnimmt, alles gut trocknen laesst und dann die Wanne anstaendig abdichtet. Das waere aber fuer meinen speziellen Freund zu einfach gewesen: er wartete gar nicht erst ab, bis alles trocken war, sondern schuettete alles mit Sand auf, goss danach eine Schicht Zement obendrueber, bevor er die Wanne am naechsten Tag wieder einfuegte. Was wir bei alledem gelernt haben? Nur nicht aergern, sondern sich freuen, dass wir unser Geld nicht in einer chinesischen Wohnimmobilie angelegt haben!
